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von David L. Watson am 11.03.2010
Die schweren Lektionen sind jene, die wir durch unsere Fehler und unser Versagen lernen. Ich möchte euch einige von meinen mitteilen, sodass ihr vielleicht vermeiden könnt dieselben Fehler zu machen wie ich.
Wähle die Schüler/ Anzuleitenden sorgfältig aus
Die besten Mentoringbeziehungen werden oft von dem Ratsuchenden veranlasst. Vielleicht kennen wir diese Person nicht oder wir wissen nicht viel über sie. Achte darauf, deinen voraussichtlichen Schüler zuerst zu beobachten, bevor die Mentoringbeziehung begoinnt. Rede mit ihren Altersgenossen und Vorgesetzten. Bringt diese Person Eigeninitiative mit? Ist sie ein fleißiger Arbeiter? Ist die Person lernbereit? Pflegt diese Person gute Beziehungen zu Vorgesetzten, Gleichaltrigen und Untergebenen? Gibt es irgendwelche ernsthaften Probleme in der Vorgeschichte dieser Person? (Wir können uns immer noch dafür entscheiden, mit jemanden zu arbeiten, selbst wenn ernsthafte Probleme aus ihrer Herkunft vorhanden sind.) Warst du schon mal bei ihr zu Hause und bist ihrer Familie begegnet? (Wenn man mit jemanden einige Tage in dessen Zuhause verbringt, bekommt man einen guten Einblick in die wahre Person) Und selbst wenn man alles richtig gemacht hat, kann man immer noch in ernsthafte Probleme bekommen.
Einmal wählte ich einen Schüler aus, der unter einer sexuellen Abhängigkeit litt. Als ich mit dieser Beziehung anfing, wusste ich noch nichts von diesem Problem. Über die nächsten Jahre wurde ich jedoch in Untersuchungen über über sexuelles Fehlverhalten hineingezogen. Mentoren werden nach dem Benehmen und der Produktivität ihrer Schüler beurteilt. Wenn uns entscheiden in Menschen zu investieren, die sich nicht verändern, dann befinden wir uns in einer no-win Situation, die all unsere Zeit und Energie aussaugt und die Ursache für einen schlechten Ruf in unserer Arbeit ist. Du solltest deine Schüler kennen! Möglicherweise entscheidest du dich trotz dieser Probleme in sie zu investieren, aber die Wahl sollte bewusst getroffen werden.
Kenne die Schüler gut
Besonders im Dienst müssen wir uns über alle Lebensbereiche der Menschen im Klaren sein, die wir betreuen. Jemand, der im Arbeitsleben gut da steht, aber seine Beziehungen in Ehe und Familie vernachlässigt, kann den Dienst nachhaltig ruinieren.
Ein Mann, ungefähr in meinem Alter, kam auf mich zu und fragte an, ob er sich uns anschließen könnte. In seinen früheren Aufgaben war er recht erfolgreich gewesen, so dass ich ihn mit an Bord nahm. In den darauffolgenden Jahren geriet er ständig in Konflikte mit seinen Kindern, der Verwandtschaft und seiner Ehefrau. Dieser Stress führte zu schlechten Entscheidungen im Dienst, die sich negativ auf unsere Organisation auswirkten. Ich hätte manche Kopfschmerzen vermeiden können, wenn ich mir die Zeit genommen hätte, ihn im Rahmen seiner Familie kennenzulernen.
Man ist nicht neugierig, wenn man diejenigen kennenlernen möchte, die man in allen Lebenssituationen anleiten möchte. Mentoren richten ihr Augenmerk nicht nur auf die Arbeit. Trainer konzentrieren sich auf die Arbeit. Mentoren richten ihr Augenmerk auf die Person und helfen ihr, sich in allen Bereichen des Lebens zu entwickeln. Wenn wir einen Bereich auslassen, könnte dem Lernenden, deinem Team, deiner Arbeit und den Menschen schaden, denen du dienen möchtest.
Entlasse die Schüler schnell
Wenn wir nicht aufpassen, kann es dazu kommen, dass der Mentor zum Konkurrent wird. Jesus war sich dessen bewusst und vertraute nach drei kurzen Jahren die Zukunft der Gemeinde 11 zweifelnden Männern an (Matthäus 28,16ff). Leiterschaft entwickelt sich nicht solange die Leiter noch anwesend sind. Sie lernen in der Anwesenheit von Leitern, aber sie entwickeln sich erst zu Leitern, wenn sie sich selbst überlassen sind.
Ein junger Mann schloss sich mal unserem Team an. Er kam zu mir und fragte, ob ich sein Mentor sein würde. Er war intelligent und redegewandt, ein fähiger Trainer und Leiter. Mit den Jahren entwickelte er das Wissen und die Fähigkeiten, welche ihn mit mir ebenbürtig machten. Mit der Zeit erkannte ich, dass er mit mir konkurrierte, was unsere Beziehung belastete. Ich ermutigte ihn, sich seinen eigenen Dienst zu suchen, was er dann tat und unsere Beziehung begann wieder zu reifen.
Zu erkennen, wann man loslassen muss, ist eine wichtige Eigenschaft eines Mentors.
Gestatte es den Schülern, deine Fehler zu sehen
Eine der einzigartigen Charakteristiken des Menschen ist, dass wir von den Fehlern anderer lernen können. Noch wichtiger ist, dass wir davon lernen, wie andere mit ihren Fehlern umgehen und ihre Probleme lösen. Eine der größten Verantwortungen haben wir als Mentoren unserer Kinder. Wenn sie nicht sehen, wie wir Fehler machen und uns danach wieder entsprechend aufrappeln, dann werden sie nicht lernen, wie sie ihre Probleme lösen können.
Eines Tages sprach einer meiner Söhne nach der Schule mit mir. Er machte die Bemerkung, dass alle Eltern seiner Freunde eine Menge Probleme in ihrer Ehe hatten und dass er stolz darauf war, dass dies bei seinen Eltern nicht der Fall war. Daraufhin fragte ich ihn, was er damit meinte und er sagte mir, dass er niemals seine Mutter und mich hatte streiten sehen.
Meine Frau und ich hatten eine bewusste Entscheidung getroffen, unsere Meinungs-verschiedenheiten nicht in der Öffentlichkeit auszutragen. Wir hatten wenig davon verstanden, dass, wenn wir uns so vor unseren Kindern verhalten würden, könnten sie es nicht lernen, wie sie mit einem Konflikt auf eine liebevolle, christliche Art und Weise umgehen sollten. So entschieden wir uns, nicht ganz so privat mit unseren Meinungsverschiedenheiten umzugehen. Als wir das erste Mal ganz offen einander widersprachen, dachte unser Sohn, wir würden uns scheiden lassen. Er sah jedoch unsere Liebe in der Art und Weise, wie wir mit den Angelegenheiten umgingen und lernte, dass Meinungsverschiedenheiten in allen Beziehungen dazu gehören - aber ebenso gehört auch die Art, wie wir miteinander streiten und wie wir Lösungen finden dazu.
Für Schüler ist es notwendig, dass sie sehen, wie wir mit unseren Problemen umgehen und dies von uns lernen
Gestehe Schülern zu, Fehler zu machen
Wir alle glauben, dass wir aus Fehlern lernen können und sollen. Zur selben Zeit sind wir Fehlern gegenüber intolerant und tun alles, unsere Teams davor zu bewahren, Fehler zu machen. Das raubt den Teams jedoch die Möglichkeit zu lernen, wie man Probleme löst und sich zu freuen, wenn erhebliche Hindernisse überwunden wurden. In anderen Worten - es hindert sie daran, zu lernen und bessere Leiter zu werden.
Unser Team plante eine größere Veranstaltung. Die Leitung dieses Events hatte ich an ein älteres Teammitglied delegiert. Er erledigte Dinge nicht in der Art, wie es mir angenehm war, aber ich war entschlossen, mich heraus zu halten. Als wir an einen Punkt in der Planung kamen, wo einige entscheidende Bereiche übersehen worden waren, griff ich ein und rettete die Situation. Ich hatte den Eindruck, dass es notwendig war, was ich tat; später erfuhr ich jedoch, dass ich dem Team dadurch geschadet hatte.
Der werdende Leiter verlor das Selbstvertrauen. Wenn ich ihn diesen Fehler hätte machen lassen, hätte er diesen auch korrigiert und sein Vertrauen wäre gewachsen. Indem ich ihm diese Gelegenheit nahm, hinderte ich ihn daran zu erkennen, was für ein guter Führer er wirklich war. Es dauerte mehr als ein Jahr, bis er wieder das Vertrauen in sich selber und das Team gefunden hatte. Die Produktivität wurde dadurch gebremst und ich war die Ursache, indem ich dem Team nicht die Chance gab, einen Fehler zu machen, von dem sie sich viel leichter hätten erholen können als von den Folgen meines Eingreifens.
Mentoren sind Diener, nicht Herren
Die Aufgabe des Mentors ist es, den Schüler zu einem erfolgreichen Leiter zu machen. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Leiter, die sich herausbilden gut dastehen.
In meinen Anfangszeiten als Leiter war ich eher der Chef als der Führer. Meine Einstellung war, dass mein Team für mich arbeiten musste, damit ich meine Ziele erreichen konnte. Ich wusste, wie ich manipulieren konnte, aber ich verstand nicht wirklich, was Menschenführung war. Mit einem Nicken zum Team nahm ich gerne die Anerkennung für Erfolge für mich. Ich hatte nicht verstanden, dass ich Leiter hervorbringen sollte, die auch andere zu Leitern machen - und ich nicht nur der Chef war.
Für die Anleitung von zukünftigen Leitern ist es notwendig, dass wir Diener derjenigen werden, die wir schulen. Wenn wir sie delegieren, stellen wir uns selber unter ihre Autorität für dieses besondere Projekt. Mentoren sollten immer diese Einstellung haben: „Was brauchst du von mir, um eine bessere Arbeit machen zu können, eine bessere Führungskraft zu werden und selber wieder Leiter zu schulen?“
Das Opfer des Mentors
Ein Leben des Opfers ist eins der bedeutendsten Merkmale eines Mentors. Nie ist es angenehm, ständig Leute in deinem Leben zu haben, die Zeit und Aufmerksamkeit von dir fordern.
Jene von euch, die mich kennen, wissen, dass ich ein extrem introvertierter Mensch bin. Ich brauche nicht viel Input (OK, ich brauche gar keinen Input), um Entscheidungen zu treffen. Ich bin glücklich, für mich selber zu arbeiten und alleine zu sein. Ich werde ganz schnell ärgerlich mit den Menschen, die mich drangsalieren (wenigstens sehe ich das so). Ihr wisst schon, Leute, die zu unmöglichen Zeiten auftauchen, Fragen stellen deren Antworten auf der Hand liegen, die mich anbetteln, Arbeiten zu tun, die sie selber tun sollten, und……… Ihr versteht, was ich meine.
Dieses Persönlichkeitsmerkmal und dieser Charaktermangel hielt mich davon ab, einen bedeutenden Einfluss auf das Leben anderer zu haben. Ich selber griff nicht in das Leben anderer ein und erlaubte ihnen nicht, sich in mein Leben einzumischen. Der Herr redete mit mir darüber und wies mich darauf hin, dass Jesus 24 Stunden an jedem Tag zur Verfügung stand. Normalerweise hatte ich feste Bürozeiten und war nicht sehr freundlich zu den Menschen, die mich außerhalb der Bürozeiten störten. Als ich die Leiterschaft Jesu begann zu untersuchen, erkannte ich, dass das Leben nicht in einem Tagesplan stattfindet. Leiterschaft ist kein Job, sondern ein Lebensstil, der zu jeder Zeit an jedem Tag stattfindet.
Gute Mentoren müssen sowohl Stärken als auch Schwächen aufgeben, wenn sie andere dazu bringen wollen, selber Leiter hervorzubringen. Unsere Stärken können neue Leiter daran hindern, sich herauszubilden. Unsere Schwächen können uns davon abhalten, neue Leiter in solch einer Art und Weise zu prägen, dass sie von uns lernen könnten.
Mentoren feiern den Erfolg ihrer Schüler
Wie ich schon vorher erwähnt hatte, war ich gewohnt, der Chef zu sein und die Anerkennung zu genießen für das, was das Team erreicht hatte. Ich dachte, die Anerkennung im Namen meiner Gruppe anzunehmen. Später erkannte ich jedoch, dass ich nicht besonders gut darin war die Anerkennung zu teilen, es jedoch besonders gut beherrschte, die Schuld für Versäumnisse auf andere zu schieben.
Wenn wir das Leben eines Mentors leben, lernen wir, dass es unsere Verantwortung ist, Andere darauf vorzubereiten und zu trainieren, dass sie Aufgaben erfüllen können. Mentoren bleiben im Hintergrund und die Anerkennung für die erfolgreiche Ausführung einer Aufgabe geht ans Teams. Auf der anderen Seite müssen Mentoren es auch lernen, Verantwortung zu übernehmen, wenn ein Team versagt hat. Feiere Erfolg! Lobe das Team öffentlich! Überreiche Belohnungen und Auszeichnungen an einzelne Teammitglieder, die erfolgreich waren.
Was machen wir mit den Fehlern? Wir analysieren sie in Ruhe und lernen daraus, und stellen sicher, dass wir die Fehler nicht wiederholen.
Mentoren bewahren die Beziehung
Mentoren schieben, aber sie ziehen auch. Wenn wir uns zu passiv verhalten, wird die Beziehung schläfrig werden oder stirbt. Wenn wir zu aggressiv sind, werden wir die Person überfahren.
Ein junger Mann, der sich unserem Team anschloss, war ganz besonders vielversprechend. Mein Wunsch war es, sicher zu gehen, dass er erfolgreich wird und eine lange Laufbahn im Team haben würde. Ich richtete meine Aufmerksamkeit derart auf diesen jungen Mann, dass ich den Rest des Teams vernachlässigte. Letztendlich gab der junge Mann auf. Im Abschiedsgespräch kamen einige Gründe für die Resignation ans Licht. Ich hatte ihn erstickt. Ich hielt ihn unter so einer strengen Beobachtung, dass er den Eindruck hatte, keine Fehler machen zu dürfen. Andere Teammitglieder hatten den Eindruck, dass er mein Liebling war und hatten Groll ihm gegenüber und wegen der Zeit, die ich mit ihm verbrachte. Ich verlor einen potentiell großartigen Führer und strapazierte die Beziehungen mit anderen Teams, da ich nicht eine saubere Mentorbeziehung mit allen Beteiligten einhielt.
Mentoren müssen ständig auf sich selbst acht haben. Deshalb ist es gut, andere ältere Mentoren in seinem Leben zu haben, die einem helfen, die eigenen Schwächen und Fehler zu sehen.
Mentoren sind für eine offene Kommunikation verantwortlich
Für Mentoren ist es leicht, sehr beschäftigt zu sein. Wenn wir uns um eine Menge Leute in unserem Leben kümmern, 24 Stunden, 7 Tage lang, sind wir sehr beschäftigt. Wenn wir nicht aufpassen, werden wir unsere Geschäftigkeit auf andere übertragen. Sie werden uns nicht zusätzlich belasten wollen und sich in wichtigen Gesprächsbeziehungen und Lebensereignissen zurückziehen.
Deswegen ist es wichtig, den Schülern gegenüber Offenheit und Interesse zu vermitteln, egal wie beschäftigt wir sind. Wenn wir es nicht tun, werden wir sehen, wie die Kommunikation anfängt zu stocken. Wenn dies so ist, werden Fehler gemacht, das Team verliert das Vertrauen in die Leitung und wir werden in unserem Hauptanliegen versagen, Leiter hervorzubringen, die selber auch Leiter anleiten.
Selbst inmitten des Chaos sollten Mentoren lernen, wie sie diese Offenheit verrmitteln können. Wir müssen uns konzentrieren, nu doch gleichzeitig erkennen, was um uns herum los ist. Wir müssen uns sehr bemühen, den persönlichen Kontakt mit jedem Schüler zu halten oder wir vermitteln ihnen den Eindruck, dass sie nicht wichtig sind.
Diese Schüler sind die wichtigsten Menschen für uns nach Gott und der Familie. Sie sind Teil unserer Gemeinschaft. Sie sind Teil unserer Berufung. Sie sind Teil unserer Arbeit und in einigen Fällen werden sie Teil unserer Familien.
Ich hoffe, dass ihr von meinen schwierigen Lektionen lernen könnt. Ich hoffe, dass ihr geschickter darin seid als ich, Leiter hervorzubringen. |