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von David L. Watson am 26.02.2008
Es ist einer der tragischen Fehler der heutigen Gemeinde, traditionelle christliche Kultur zu exportieren als wäre sie biblische Wahrheit. Vieles, was im Bereich von Mission und Gemeindegründung während der letzten 200 Jahre gelehrt wurde, war nichts anderes als die Kultur des modernen Christentums zusätzlich zur und manchmal anstelle der Bibel. Es ist verblüffend, wie leicht wir christliche oder gemeindliche Kultur zu neuen Volksgruppen bringen, und wie wir dabei mehr Nachdruck auf unsere kulturbedingten Themen legen als auf biblische Lehre.
Es folgen nun einige repräsentative Fragen, die ich in den vergangenen 17 Jahren in meinen Gemeindegründungsseminaren gestellt habe; und zwar vor allem für diejenigen aus traditionellen Gemeindehintergründen.
Zeige mir in der Bibel wo ...
- davon die Rede ist, dass wir die Köpfe neigen und die Augen schließen wenn wir beten.
- verboten wird, alkoholische Getränke zu genießen (Nun, bevor du in die Luft gehst - ich bin ein Abstinenzler. Aber ich begründe meine Einstellung mit sozialen und gesundheitlichen Argumenten sowie meiner Sparsamkeit, weil ich nicht guten Gewissens Bibelstellen dazu verwenden kann ohne sie aus dem Zusammenhang zu reißen).
- uns verboten wird zu tanzen (Natürlich weiß ich, dass es Tänze gibt, die Gott oder der Gemeinde keine Ehre bringen, aber heißt das, jede Art von Tanzen ist verkehrt? Mir ist bewusst, dass einige das bejahen würden, doch die Bibel spricht davon, dass es eine Zeit zum Tanzen gibt; vgl.. Pred.3,4; Jer.31,4. 13).
- gelehrt wird, dass jemand ordiniert sein muss, um einen neuen Gläubigen zu taufen.
- gelehrt wird, dass jemand ordiniert sein muss, um das Abendmahl auszuteilen.
- gelehrt wird, dass jemand ordiniert sein muss, um eine Gemeinde zu leiten.
- wir angewiesen werden, Ordinationen durchzuführen.
- wir angewiesen werden, jemand beizubringen, in Zungen zu reden oder zu beten.
- davon die Rede ist, besondere Kleidung zu tragen, wenn wir eine Versammlung von Gläubigen leiten oder sie besuchen.
- davon die Rede ist, dass Gemeindeleiter oder Pastoren ein Seminar oder eine Bibelschule besucht haben müssen.
- davon die Rede ist, dass der Pastor der oberste oder einzige Leiter der Gemeinde ist.
- davon die Rede ist, dass ein Musikstil besser ist als irgendein anderer, oder dass ein bestimmter Musikstil zur Anbetung ungeeignet ist, oder dass zur Anbetung ein ganz bestimmter Musikstil erforderlich ist (Wenn ich in kulturübergreifenden Situationen bin, lehre ich überhaupt nichts zum Thema Musik).
- persönliche Evangelisation erwähnt wird, so wie sie in den meisten evangelikalen Gemeinden bekannt ist (Nur damit du es weißt - ich bemühe mich, Jünger zu machen durch Beziehungen und Bibelstudium in Familien und/oder sozialen Gruppen).
- wir eine Anleitung zur Planung und Durchführung einer christlichen Trauung finden.
- wir eine Anleitung finden zur Planung und Durchführung einer christlichen Beerdigung.
- wir eine Anleitung finden zur Planung und Durchführung einer Taufe.
- davon die Rede ist, dass die Toten beerdigt werden müssen.
- davon die Rede ist, dass es einen Brautpreis gibt oder auch nicht.
- erwähnt wird, dass ein Mann, der vor seiner Bekehrung mehrere Frauen hat, sich von allen außer einer scheiden lassen muss, nachdem er sich bekehrt hat um ein rechter Gläubiger zu sein (Die Bibel sagt etwas zum Thema Gemeindeleitung im Blick auf einen polygamen Mann, es gibt aber auch bekannte Beispiele von Männern mit mehreren Frauen. Ich persönlich glaube, dass die Bibel die Einehe für ein ganzes Leben lehrt, die nur durch den Tod eines Partners aufgelöst wird).
- davon die Rede ist, dass eine Frau nicht eine Gemeinde leiten darf (Ja, es gibt einen Vers, der sagt, dass eine Frau einen Mann nicht lehren soll. Aber seit wann gründen wir eine Lehre auf einen Vers angesichts vieler anderer Aussagen, die Frauen als Leiterinnen zeigen und sie anweisen, zu beten und zu weissagen?).
Diese Liste lässt sich beinahe unendlich fortsetzen. Wenn wir uns die Zeit nehmen, um einmal unser Handeln im Licht der Schrift zu untersuchen, beginnen wir zu realisieren, wie viel von dem was wir als Christen tun, eigentlich mehr mit unserer Kultur als mit der Bibel zu tun hat.
Nur weil etwas kulturell bedingt ist, ist es noch nicht verkehrt. Allerdings ist es verkehrt darauf zu bestehen, dass andere außerhalb unserer Kultur unsere kulturellen Aspekte des Christseins übernehmen müssen, um ein Christ zu sein. „Christlich“ wird durch eine Beziehung zu Christus definiert, die sich durch Glaube und Gehorsam auszeichnet und nicht dadurch, dass man an christlich-kulturellen Praktiken festhält.
Wir dürfen nicht darauf bestehen, dass neue Gläubige, insbesondere in kulturübergreifenden Situationen, sich genauso verhalten müssen wir wir. Der EINZIGE Maßstab des Glaubens und Handelns ist das Wort Gottes, nicht unsere Traditionen, Theologien, Lehren, bevorzugten Themen und ganz sicher nicht unsere Kultur. Wenn die Bibel sagt, tu es - dann müssen wir es tun. Wenn die Bibel sagt, tu es nicht - dann dürfen wir es nicht tun. Alle anderen kulturbedingten Handlungsweisen sind in Ordnung.
Was ist hingegen mit den kulturbedingten Praktiken, die im Widerspruch zu Gottes Wort stehen? Jede Kultur hat für sie sehr wichtige Aspekte, die jedoch möglicherweise Gottes Wort entgegenstehen. Kultur ist von Menschen geschaffen, und unterliegt daher in hohem Maße dem Irrtum, der Sünde und sogar dem Bösen. Es wird am besten sein, dass einheimische Christen daran arbeiten, ihre kulturbedingten Praktiken, die dem Wort Gottes entgegenstehen, zu erlösen. Mit einigen dieser Konflikten kann man ziemlich schnell fertig werden. Was zum Beispiel die Praxis der Polygamie angeht, so muss damit Schluss sein für Gläubige, die sich der Gemeinde anschließen bevor sie mit mehreren Frauen verheiratet sind. Was schon geschehen ist, können wir nicht mehr ändern - jedoch müssen wir die Unverheirateten lehren, dass dies nicht Gottes Plan für die Ehe ist.
Was aber sollte unternommen werden im Blick auf die Zeremonien von Trauung oder Begräbnis, der Namensgebung eines Neugeborenen oder den Initiationsritus beim Schritt ins Erwachsenenalter? Das alles ist durchdrungen von der lokalen Kultur und steht vielleicht im Gegensatz zu Gottes Wort. Diese Zeremonien und Riten sind in jeder Kultur oft direkt mit den religiösen Handlungen der Kultur verbunden, die nicht christlich, sondern vielleicht sogar böse sind. Können wir nun die Form beibehalten und den Inhalt verändern, damit die Sache dann mit den Aussagen der Bibel übereinstimmt? Auf diese Weise sieht die Zeremonie in der Kultur vor Ort zwar richtig aus, wegen der Veränderung des Inhaltes werden sich die Menschen aber vielleicht unbehaglich fühlen. Wir erlösen die kulturbedingten Praktiken mit dem Ziel, nicht völlig die Verbindung mit der lokalen Kultur zu verlieren und so die örtliche Bevölkerung zu entfremden.
Es ist wichtig, den Gläubigen vor Ort beizubringen, dass das, was in ihrer Kultur erlöst wurde, nicht als Praxis in andere Kulturen eingeführt werden darf. Der „erlösende“ Teil wird ihnen beigebracht, nicht aber die Praxis, die erlöst wurde. Diese erlöste Praxis an andere Kulturen weiterzugeben als ob diese bestimmte Handlungsweise normativ und christlich ist hat das Christentum in das heillose Durcheinander gebracht, in dem wir uns heute befinden. So hat sich die christliche Tradition entwickelt, und so kommt es, dass unsere Traditionen uns nun daran hindern, den Lehren Christi zu gehorchen.
Ich bin überzeugt, dass viele unserer heutigen kulturell bedingten, christlichen Traditionen einmal aus heidnischem Hintergrund kamen. George Barna und Frank Viola haben zu diesem Thema ein Buch herausgegeben mit dem Titel „Heidnisches Christentum?“. Ich stimme ihrer Schlussfolgerung nicht zu, dass wir sämtliche Praktiken mit heidnischer Herkunft fallenlassen müssen. Was wir jedoch nicht tun dürfen ist, diese traditionellen, christlich-kulturellen Praktiken zu einem Teil unserer Botschaft für neue Gläubige in neuen Kulturen zu machen. Und dies schließt praktisch jeden ein, der zurzeit außerhalb der modernen traditionellen Kirche / Gemeinde lebt. Für die jedoch, die innerhalb der traditionellen christlichen Gemeinde geboren und aufgewachsen sind, ist dies ihre Kultur und wir sollten nicht darauf bestehen, dass sie sie aufgeben, sondern sie sollten ihre Kultur als das begreifen was sie ist.
Die ersten Gläubigen waren darauf aus, ihr kulturbedingtes Handeln möglichst beizubehalten und es gelang ihnen ziemlich gut, die Praktiken ihrer Kultur vor Ort zur Ehre Gottes zu erlösen. Das Problem entstand, als der nächsten Generation diese erlöste Praxis als notwendige christliche Handlungsweise beigebracht wurde. Als das Christentum sich dann über verschiedene Kulturen hinaus verbreitete, wurden diese Dinge als notwendig betrachtet, um ein Christ zu sein. Das ist der Grund, warum wir vieles in unserer Religion tun, was nicht mit dem Wort begründet werden kann. Es handelt sich um erlöste Praxis einer bestimmten Kultur, die christianisiert wurde, als das Christentum zu neuen Kulturen kam. Unsere frühen christlichen Vorväter nahmen das, was sie in ihren eigenen Kulturen erlöst hatten und machten es zu einer Frage des Glaubens und Handelns für nachfolgende Generationen und Kulturen. Ihnen war nicht beigebracht worden, dass erlöste kulturbedingte Handlungsweisen zu Hause bleiben und nur die Bibel und Forderungen weitergegeben werden.
Als kulturüberschreitende Arbeiter sind wir dafür verantwortlich, unser Handeln vom Glauben her, wie ihn die Bibel uns lehrt zu überdenken bevor wir neue Gemeinden unter anderen Kulturen beginnen. Das ist nicht einfach. Es muss mit Gebet geschehen, mit Einsicht, Nachdenken und äußerster Hingabe an das Wort Gottes als einzigen Maßstab für Glauben und Handeln. |