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Wann ist eine Gemeinde eine Gemeinde? PDF Drucken E-Mail

von David L. Watson am 03.12.2009

In den letzten 40 Jahren habe ich hunderte von Diskussionen über Gemeinde geführt; manche in offiziellem Rahmen, die meisten zwanglos. Man kann sich in diesen Diskussionen auf vielfältige Art und Weise verzetteln: Wie häufig trifft sich eine Gemeinde, wie groß muss sie sein, um eine Gemeinde zu sein, wie sieht ihre Leitung aus, wie steht es mit Disziplin, Multiplikation, Mission, was sind ihre Funktionen, worin besteht ihr Wesen, sieht man sie universal oder örtlich, und und und ... du kannst die Liste beliebig erweitern.

Einige Beobachtungen dazu:

  1. Wir allen neigen dazu, unsere Gemeindesicht aufgrund unserer augenblicklichen Erfahrungen zu definieren, abzugrenzen oder auf andere zu übertragen. Wir wollen, dass das, was wir tun, richtig ist, und wenn wir im Recht sind, sollte etwa nicht jede Gemeinde in der Weise leben, wie wir es tun? Was für eine neue Gemeinde richtig ist kann für eine 100 Jahre alte Gemeinde ganz anders aussehen. Natürlich setzt das voraus, dass wir die Definition von „richtig“ kennen. Es gibt ganz sicher absolute Werte, aber auch Situationen, die Antworten oder Lösungen erfordern, die sich daran orientieren, in welcher „Jahreszeit“ eine Gemeinde gerade lebt.
  2. Wir alle neigen dazu, Momentaufnahmen von Gemeinde zu machen und sie anhand dieser zu definieren Das Leben ist jedoch kein Schnappschuss, nicht einmal ein Film. Gemeinde ist komplex und ständig im Fluss; sie hat sichtbare, aber auch unsichtbare Aspekte. Beziehungen wachsen, verändern sich, geraten in Schwierigkeiten, werden wieder hergestellt oder auch nicht, lösen sich auf, usw. Es ist die Natur von Organismen sich zu verändern. Ich bin nicht mehr die Person, die ich vor 50, 40, 30, 20 oder gar vor 10 Jahren war - und doch bin ich noch derselbe. Das Leben verändert mich, aber ich bleibe trotzdem Ich selbst. Es ist nicht natürlich, wenn man immer derselbe bleibt. Aber auch während wir uns verändern, sind wir weiterhin erkennbar.
  3. Oftmals bringen wir „Wesen“ und „Funktion“ von Gemeinde durcheinander. Das Wesen ist unveränderbar. Die Funktion jedoch verändert sich mit den Bedürfnissen der Gemeinde und den Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde, denen sie dient. Die Gemeinde gehört Christus - das ist Teil ihres Wesens. Die Gemeinde versammelt sich - das ist eine ihrer Funktionen. Das Wesen ist universell, überall und jederzeit gültig; die Funktion kann nicht immer dasselbe sein, nur von Zeit zu Zeit. Hier geht es um die alte Geschichte von dem, „was wir sind“ und „was wir tun“ - beides macht uns aus! Wenn wir etwas tun, das im Gegensatz zum Wesen der Gemeinde steht, wird in Frage gestellt, wer wir sind. Manchmal können wir Dinge tun, die nichts mit unserem Wesen zu tun haben. Gelegentlich tun wir nicht, was unser Wesen eigentlich verlangt. Wenn wir uns jedoch fortgesetzt unserem Wesen widersetzen, verändert dies letztlich nicht unser Wesen? Und wenn unser Wesen sich verändert, ändert das etwa nicht, wer wir sind? Eine Gemeinde, die soziale Ungerechtigkeit ignoriert kann nicht eine Gemeinde bleiben - egal wie sie sich selber bezeichnet. Eine Gemeinde, die Ungehorsam gegen Gottes Gebote stillschweigend duldet, kann nicht eine Gemeinde bleiben. Eine Gemeinde, die nicht Gnade und Barmherzigkeit übt, kann keine Gemeinde bleiben. Es ist nicht einfach Gemeinde zu sein. Wir müssen für das einstehen, was richtig ist, allen Geboten Gottes gehorchen und angesichts der Situationen, in denen Menschen leben, Gnade und Barmherzigkeit erweisen. Wie kann irgendein Mensch all das tun? Genau das ist der Punkt - die Gemeinde ist nicht einfach nur menschlich; sie schließt auch Gott mit ein! Das ermöglicht es, all das zu sein und zu tun, was von Gemeinde gefordert wird.
  4. Wir verkennen, dass Gemeinden Lebenszyklen haben und dass Momentaufnahmen während dieser Zyklen niemals alles erklären, was Gemeinde ist. Ist der Same eines Baumes ein Baum? Ist der Spross ein Baum? Ist das Bäumchen ein Baum? Wenn der Baum sich vermehrt - ist es dann ein Baum? Ist das Holz ein Baum? Wann ist ein Baum ein Baum? Wenn wir das Potential in Betracht ziehen, dann ist der Same oder der Spross ein Baum. Ziehen wir die Frucht in Betracht, dann sind nur ausgewachsene Bäume echte Bäume. Denken wir an den Wert, dann definieren die Holzprodukte das, was wir als Baum bezeichnen.

Ich werde oft nach meiner Definition von Gemeinde gefragt. Sie lautet so:

„Die Gemeinde ist eine Gruppe von getauften, an den Herrn Jesus Christus gläubigen Menschen, die sich regelmäßig treffen, um anzubeten, einander zu erziehen (einander zu ernähren und zu erbauen), in Gemeinschaft zu leben (die „Einander-Gebote“ auszuleben; siehe „ Grundlagen der Gemeindegründung: Als Leib Christi in Gemeinschaft leben“) und wieder auseinander zu gehen und sich zu bemühen, allen Geboten Christi zu gehorchen, damit Einzelpersonen, Familien und Gemeinschaften eine Umgestaltung erleben.“

Ein Freund sagte einmal vor vielen Jahren: „Ich kann dir keine Definition einer Gemeinde geben, aber wenn ich eine sehe, dann erkenne ich sie.“

Keine Definition für Gemeinde kann sicherstellen, dass Gemeinde existiert. Und doch erkennen wir wahre Gemeinde irgendwie wenn wir sie sehen. Das bedeutet nicht, dass wir die Fragen nach einer Definition nicht stellen sollten. Wir müssen allerdings zur Kenntnis nehmen, dass keine Antwort genügt um sicherzustellen, dass Gemeinde wirklich existiert. Diese Fragen zu stellen und die Diskussion darüber helfen uns, dass wir als Gemeinde wahrgenommen werden - daran, wem wir gehören, wer wir sind und was wir tun.