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von David L. Watson am 15.01.2010
Gemeindegründungsbewegung (engl. Church Planting Movement, CPM) ist in letzter Zeit ein sehr populärer Begriff in der christlichen Mission und in der Gemeindegründungsarbeit geworden. Aber was ich während meiner weltweiten Reisetätigkeit und im Gespräch mit vielen verschiedenen Gemeindeleitern feststelle, ist eine Verwässerung der Bedeutung von Gemeindegründungsbewegung (GGB). Einmal sagte mir ein Leiter: „Ich bin jetzt schon seit über 25 Jahren in einer GGB tätig.“ Doch als ich mich genauer über seinen Dienst erkundigte, stellte sich heraus, dass er lediglich seinen sehr traditionellen Dienst als GGB umdefinierte.
Unter traditionellem Dienst verstehe ich:
- Einen Fokus auf Gründung von Gemeinden, die sich an eine bestimmte Gemeinde, oder an einen konfessionellen oder lehrmäßigen Standpunkt halten
- Ein Anspruch, dass die Gemeindeleitung eine formelle und institutionalisierte Ausbildung durchläuft um Leiten zu dürfen
- Feierliche Ordination der Leiterschaft
- Wichtigkeit einer strikten Kontrolle des Lehr- und Predigtdienstes in der Gemeinde und Sakramentenverwaltung (Taufe und Abendmahl) durch ordinierte Leiter.
- In manchen Fällen ein besonderes Augenmerk darauf ein Gebäude zu haben, das „Kirche“ oder „Gemeindezentrum“ genannt wird
- Für gewöhnlich eine genaue Kontrolle aller Bereiche des Gemeindelebens
Bitte verstehen Sie mich richtig, ich finde keinen dieser Punkte falsch. Jede Organisation oder Gemeinde hat das Recht zu bestimmen, wie sie Gemeinde leben und was den Einzelnen oder die Gruppe berechtigt als Teil dieser Konfession, Organisation oder Gemeinde anerkannt zu werden. Jedoch sind viele dieser Anforderungen außer-biblisch und verlangsamen die Gründung von Gemeinde in solchem Maße, dass eine natürliche Vervielfältigung nicht mehr stattfinden kann. Wenn jemand das, was er jahrelang gemacht hat, als Gemeindegründungsbewegung bezeichnet, heißt das noch lange nicht, dass es auch eine Gemeindegründungsbewegung ist.
Eine Gemeindegründungsbewegung (GGB) ist ein Prozess, der aus einer von Einheimischen geleiteten Verbreitung des Evangeliums und einer auf Gehorsam basierenden Jüngerschaft besteht. Aus diesem Prozess resultiert ein Minimum von 100 neuen Gemeinden, initiiert und geleitet von Menschen vor Ort; dieser Prozess ist binnen der letzten zwei Jahre abgelaufen und umfasst drei Generationen von Gläubigen. Das gilt für die Arbeit in neuen Gebieten.
In jeder Gemeinde gibt es geschulte Leiter vor Ort und jeder Leiter hat einen Mentor. Jedes Mitglied steht in einer auf Gehorsam basierenden Jüngerschaft, die zu einem Dienst in der Gemeinschaft führt; dies ist die Norm für alle Junggläubigen und Leiter. Der Außenstehende, der den Prozess initiiert oder beschleunigt hat, wird nicht als erste Generation betrachtet. Der außenstehende Leiter kann als Mentor die Beziehung zu der wachsenden Leiterschaft aufrecht erhalten. Näheres bei „Gemeindegründungsbewegung – Unsere Definition“
GGBs sind lokale Gemeinden ( innerhalb einer Volksgruppe, Nation, Großstadt oder eines Bevölkerungsteils), die schnell und regelmäßig mehrere neue Gemeinden in der gleichen Bevölkerungsgruppe gründen; dies ist ein natürlicher Aspekt ihres Lebens als Gemeinde. GGBs können von Außenstehenden begonnen worden sein, aber sie werden von Insidern reproduziert, kontrolliert und aufrecht erhalten. Man konzentriert sich darauf, Menschen zu formen, die wiederum andere zu Jüngern machen; die Schrift ist die Quelle aller Lehre und der Gehorsam ihr gegenüber ist der Ausgangspunkt für allen biblischen Unterricht, nicht eine bestimmte lehrmäßige Auffassung.
Mit „außenstehend“ meine ich die Person oder Gruppe, die die ersten Gemeinden begonnen hat. Die Tatsache, dass man aus derselben Kultur oder Sprache kommt, macht einen nicht zum Insider. Selbst während der GGB, wenn die Gemeinden sich von einer Gemeinschaft zur anderen ausbreiten, wird der Außenstehende, welcher ein sehr junger Christ sein kann, die neu angefangene Gemeinde nicht bei sich beherbergen oder leiten. Jegliche Gemeindegründung geht von Menschen vor Ort aus und bleibt in deren Händen. Außenstehende „coachen“ den Prozess eher als dass sie selbst daran beteiligt sind.
Hier die Fragen, die ich stelle, um herauszufinden ob möglicherweise eine GGB im Gange ist:
- Wie viele Gemeinden haben Sie in den letzten zwei Jahren entstehen sehen? Ich erwarte eine Zahl im Bereich von 100. Ist die Bewegung jünger als 2 Jahre, dann eine dem Zeitraum entsprechende Zahl. Je älter die Arbeit ist, desto größer sollte die Zahl der entstandenen Gemeinden sein. Wenn tausend vollzeitliche Mitarbeiter ein paar hundert Gemeinden jedes Jahr gründen, dann ist das keine GGB! Wenn kein vollzeitlicher Mitarbeiter und 15 örtliche Gemeinden 30 neue Gemeinden in den letzten zwei Jahren gegründet haben, kann das der Anfang einer GGB sein; und wenn es drei Generationen von Gemeinden gibt, ist die Wahrscheinlichkeit für eine GGB noch größer.
- Wie viele Generationen von Gemeinden, die neue Gemeinden ohne Unterstützung von außen gründen, haben Sie miterlebt? Ich erwarte ein Minimum von drei Generationen in mehreren Linien, ausgenommen der außenstehenden Organisation oder Gemeinde, die den Prozess vielleicht begonnen hat. Wenn es keine offenkundige Struktur von mehreren Generationen gibt, handelt es sich nicht um eine GGB; ungeachtet wie viele Gemeinden gegründet worden sind.
- Wer hat die Gemeinden angefangen? Waren es außenstehende vollzeitlichte Mitarbeiter oder Gläubige vor Ort ohne finanzielle Unterstützung? Mit „anfangen“, meine ich die Arbeiter an der Basis, die das Bibelstudium leiten und Menschen zu Christus führen. Außenstehende können betreut haben, aber der Dienst wurde von Insidern geleistet. Was ich hier erwarte sind junge Gläubige/Leiter und junge Gemeinden, die neue Gemeinden anfangen; es geht nicht um vollzeitliche Mitarbeiter oder freiwillige Außenstehende, die Gemeinden gründen.
- Wie wurden diese Arbeiter geschult? Ich erwarte ungezwungene Gemeindegründungsarbeit durch junge Gemeinden ebenso wie schnelle Schulungssysteme, die nicht institutionalisiert sind, und den örtlichen Gemeindeleitern eine schnelle und auf das Wesentliche beschränkte biblische Ausbildung geben. Formelles und informelles Mentoring, das je nach Bedarf Ausbildungsprogramme durchführt, die biblische Grundlagen vermitteln und den Einzelnen anleiten, wenn dies notwendig ist, um einer aktuellen Situation oder Problematik gerecht zu werden. (Vergessen Sie bitte nicht, es geht hier um die Anfänge, nicht um langfristige Methoden; formelle Ausbildungsprogramme werden mit der Zeit nötig werden)
- Was für Lehrpläne benutzen Sie, um ihre Leiter auszurüsten? Jeder Lehrplan beginnt mit einer Philosophie. Diese Philosophie wird jedem Lernenden vermittelt, unabhängig ob dies beabsichtigt ist oder nicht. Ich erwarte Lehrpläne, die sich allein an der Schrift orientieren und auf Gehorsam basieren, die nicht einer Konfession oder Lehre folgen. (Was eine Konfession oder konfessionsähnliche Gemeinde ausmacht ist, dass alle Gemeinden mit denen man in Kontakt ist und alle neu gegründeten Gemeinden sich im Bezug auf die Bibel an eine bestimmte, eigene Sichtweise und an die damit verbunden Formen halten müssen; ebenso wie an ihre besondere Geschichte und die Art und Weise wie Gemeinde gelebt wird. Alle Konfessionen oder konfessionsähnlichen Gemeinden haben die Bibel und die Tradition als Grundlage. Sie mögen eine mehr oder weniger strikte Einhaltung ihrer Lehre und/oder Gemeindepraxis fordern. Jedoch ist ihre Lehre bestenfalls nur ein Teil von dem, was die Bibel zu sagen hat und schlimmstenfalls enthält sie Lehren und Praktiken, die auf Tradition basieren. Alle Anbetungs-, Leitungs- und Führungsstile sind meistens außerbiblisch, obgleich alle Konfessionen den Anspruch erheben werden, dass ihre Gemeindepraxis einen biblischen Hintergrund hat. Näheres dazu bei „Warum die Konfessionen den Missionsbefehl nicht zu Ende bringen können.“
Es gibt viele weitere Kennzeichen für eine GGB, all diese werden auf www.cpmtr.org, www.reachingtheonlinegeneration.com, www.davidlwatson.org (Blog) diskutiert und vorgestellt.
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem schnellen Erkennen von möglichen GGBs und nicht damit wie man eine GGB anfängt oder voll entfaltet. |