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Was ist aus dem Priestertum aller Gläubigen geworden? Kürzlich lehrte ich in einer Seminargruppe von Studenten über Gemeindegründung. Historisch gesehen verteidigte die Tradition der Glaubensgemeinschaft, die dieses Seminar gegründet hatte, die Lehre vom Priestertum aller Gläubigen. Es handelt sich hierbei um eine Lehre, die besagt, dass jeder Gläubige direkten Zugang zu Gott hat, andere vor Gott vertreten und Gott vor anderen vertreten kann. Kurzum, dass jeder Gläubige ein Priester ist und einen priesterlichen Dienst im Namen Jesu tun kann. „In Christus“ bedeutet somit „im Dienst“.
Die Lehre vom Priestertum aller Gläubigen ist unglaublich wichtig, wenn es um Gemeindegründung geht. Sie bestätigt die Arbeit des Heiligen Geistes im Leben aller Gläubigen; sie bestätigt das Potential des Dienstes und die Verantwortlichkeit aller Gläubigen; sie rüstet alle Gläubigen dazu aus, die für die Gemeinde nötigen Dienste zu tun, um sowohl den Menschen, die nicht zum Leib Christi gehören, als auch denen, die bereits gläubig sind, zu dienen. Diese eine Lehre öffnet die Tür und nährt die Leidenschaft jedes Gläubigen, ein Apostel, Prophet, Evangelist (Gemeindegründer) und Hirte oder Lehrer zu sein. Durch diese Lehre ist das Christentum von einem Beruf zu einem Lebensstil geworden. Sie befähigt gewöhnliche Menschen das Außergewöhnliche zu tun. Sie macht die Gemeinde Gottes für eine gesunde Gesellschaft maßgeblich und grundlegend. Aber es scheint so, als ob eben diese Lehre durch Vieles, was in der Gemeinde heute geschieht, hinauskatapultiert wird. Anstelle der Lehre vom Priestertum aller Gläubigen verzeichnen wir heute eine stärkere Akzentuierung des Priestertums des Pastors allein. Irgendwie hat sich der Dienst der Gemeinde in einer einzigen Position verdichtet und das, obwohl die Bibel sehr klar davon spricht, dass es vielfache leitende Funktionen in einer Gemeinde gibt und dass die Aufgabe des Pastors nicht die wichtigste unter ihnen ist, sondern eben nur eine unter vielen Leitungsaufgaben in der örtlichen, wie auch in der weltweiten Gemeinde Jesu. Gerade die Lehren, die versuchen die Position des Pastors zu stärken und sie zu einer höheren oder exklusiven Leitungsaufgabe zu stilisieren, sind schädlich, wenn es darum geht, die Nationen für Christus zu gewinnen. In einem Versuch, die Autorität pastoraler Leiterschaft zu stärken, hat die Gemeinde die Verantwortlichkeit aller Gläubigen geschwächt, wenn es darum geht, einen priesterlichen Dienst zu tun. Professionelle Leiterschaft in der Gemeinde hat dazu geführt, dass die Zahl derjenigen, die sich befähigt fühlen zu dienen, vermindert wurde. Unterm Strich ist das Ergebnis eine schwächere Gemeinde und auch eine Gemeinde, die nicht die Infrastruktur hat, sich zu vervielfältigen, sich auszudehnen oder zu wachsen. Die Lehren, die auf die exklusive Leiterschaft durch einen Pastors angelegt sind, haben der Gemeinde geschadet, anstatt sie zu schützen. Die Schrift lässt keinen Zweifel daran, dass es die Aufgabe von Leitern ist, die Heiligen (Gläubigen) zum Werk des Dienstes zuzurüsten. Leiter müssen Diener sein, keine Herrscher. Leiter müssen Vorbilder in der Öffentlichkeit und in ihrem Privatleben sein, und nicht Autoritätspersonen. Nur die Leiter, die dienen und die ihre Verpflichtung erfüllen, die Heiligen zuzurüsten sind es würdig, geehrt zu werden, sind würdig, Führungsverantwortung zu übernehmen und sind würdig diejenigen zu sein, denen wir folgen. Eine Führungsposition ist das Ergebnis davon, dass dienende Leiterschaft ausgeübt wurde und eben nicht das Ergebnis einer Schulausbildung, eines Abschlusszeugnisses, einer Weihe, oder der Tatsache, dass jemand „Pastor“ heißt. Die Gemeinde hat, indem sie einen berufsmäßigen Klerus gefördert und auf dieser Entwicklung bestanden hat, ihre Fähigkeit und Kapazität die Welt für Christus zu gewinnen, verringert. Wir haben es unmöglich gemacht, dass die Gemeinde sich schnell ausbreiten kann, weil wir nicht binnen kurzem genügend qualifizierte Leiter heranbilden können, den Nöten dieses Wachstums zu begegnen. Wir treffen sogenannte Leiter an, die neue Bibelkreise, neue Leiter und neue Gemeinden in ihrer Gegend verhindern, weil sie sich bedroht fühlen, anstatt, dass sie davon begeistert sind, dass die Verlorenen auf diese Weise erreicht werden. Je mehr die Rolle des Pastors durch ein offizielles Amt anstatt durch seinen Dienst herausgehoben und verstärkt wird, desto weniger effektiv wird diese Rolle werden, und desto weniger maßgebend wird sie sein, um die Welt für Christus zu gewinnen. Es ist eben gerade die Vorgehensweise, die Vormachtstellung des Pastors zu untermauern, die die die Fähigkeit der Gemeinden, den Missionsbefehl zu erfüllen, zerstört. Wir dürfen nie vergessen, dass Jesus für die Verlorenen starb. Er hieß uns die 99 Schafe im Pferch zurücklassen, um das eine zu finden, das verloren ist. Wir sind mittlerweile so besorgt, die Schafhürden zu beschützen, dass wir vergessen haben, dass es unsere Hauptaufgabe ist, die Verlorenen zu finden. Es ist die Aufgabe der Gemeindeleitung dafür zu sorgen, dass die Gemeindemitglieder zu diesem Dienst zugerüstet werden. Die Aufgabe des Pastors sollte es sein, die Heiligen dazu zu bewegen, allen Befehlen Christi gehorsam zu sein. Der Pastor sollte ein Meister der Evangelisation und Gemeindegründung sein. Der Pastor muss Menschen dazu ermutigen, neue Gruppen zu gründen und diesen Prozess zu vereinfachen, damit die Gläubigen befähigt sind, zu lehren, Zeugnis zu geben, neue Gläubige zu taufen, das Abendmahl zu halten und so den Nöten der Gesellschaft und der Gemeinde begegnen können. Der Pastor sollte seine Leute geradezu in die verlorenen Welt hinausdrängen, damit sich Dinge bewegen, und sie nicht hinter den Türen gekünstelter Lehre gefangen halten, die eher dazu erdacht wurden, Gläubige zu schwächen, als sie für jedes Werk des Dienstes zuzurüsten. Diejenigen, die unsere Gemeinden leiten sollten, sind die Männer und Frauen, die ihre Liebe und ihren Dienst unter Beweis gestellt haben und die andere Gläubige für das Werk des Dienstes zugerüstet haben. Wenn wir Männer und Frauen finden, die das tun, sollten wir sie herausrufen, sie weiter ausrüsten, und sie bezahlen, damit sie in einen vollzeitlichen Dienst gehen können, um sich ganz dem Dienst am Evangelium und der Zurüstung der Gläubigen widmen können. Das dienende Leben eines Leiters ist seine einzige Qualifikation, um ein Pastor oder irgend ein anderer Leiter zu werden. Nur wenn jemand dient, sollte ihm oder ihr die Möglichkeit gegeben werden, andere zu trainieren und zu führen. Es sollte eine Antwort auf ihren Dienst sein, wenn wir Männer und Frauen dazu berufen, unsere Leiter zu sein und darauf, inwieweit sie andere zum Dienst zurüsten und inwieweit sie Erfolg im persönlichen und im gemeinschaftlichen Dienst haben. Hierin liegt das Problem. Unser gegenwärtiges System von Leiterschaft fördert keine gehorsamen Leiter, die dienen und die als dienende Leiter erkannt werden, um dann gebeten zu werden, ihre Arbeit aufzugeben, um in den vollzeitlichen Dienst zu gehen und ein Leben zu führen, um die Heiligen zuzurüsten. Unser System herauszufinden, wer wirklich ein berufener und begabter Leiter ist, ist kaputt. Leiter wachsen, indem sie wieder Leiter hervorbringen. Unsere gegenwärtigen Systeme sind nicht dafür geschaffen, Leiter hervorzubringen und ein Teilresultat dieses Systems ist es, dass wir nur wenig hervorragende Leiter hervorbringen, die wiederum andere zu Leitern machen um die Arbeit im Königreich Gottes zu tun, indem sie die Heiligen für den Dienst zurüsten. In unserem gegenwärtigen System sind es der lokale Pastor und andere verantwortliche Leiter, die diese Kette der Unwissenheit und des Scheitern durchbrechen können. Wenn der Pastor der Ortsgemeinde von einem Herrscher zu einem Diener wird, von einem Amtsinhaber zu einem aktiven, dienenden Leiter, von einer Wissensinstanz zu einem Trainer der Gläubigen, von einer Schutzmacht der Orthodoxie zu einem Motivator gehorsamer Nachfolger Christi, und von einem Brennpunkt alles dessen, was die Gemeinde tut, zu einem Projektor dessen, wer Christus innerhalb der Gemeinschaft ist – dann werden wir eine Veränderung in der Gemeinde bekommen, dann wird die Gemeinde Einfluss nehmen auf Einzelne, Gesellschaften, Nationen und auf die ganze Welt. Pastoren und ihre Teams müssen endlich damit aufhören, ihre Gemeindemitglieder in der Unmündigkeit zu halten, wenn es um das Wort Gottes und den Dienst geht, indem sie den Gemeindegliedern alles abnehmen. Wenn Gemeinden reifen und neue Leiter aus ihnen hervorgehen sollen, dann muss der Pastor seine Gemeinde behandeln, als ob sie fähig zum Dienst wäre und sie für diesen Dienst trainieren. Wenn Pastoren ihre Leute dazu ermahnen und ihnen dabei helfen, den Geboten Christi erfolgreich zu gehorchen, dann wird ihre Autorität wachsen, ihre Ehre wird zunehmen, und das Reich Gottes wird Nutzen daraus ziehen. Wir werden es nicht erleben, dass die Welt in irgendeiner Generation für Christus erreicht wird, solange Leiter ihre eigenen Pfründe schützen wollen, anstelle für den König die Arbeit zu tun. Es wurde uns befohlen, ihnen Gehorsam zu lehren. Es wurde uns befohlen, die Heiligen zuzurüsten. Es wurde uns befohlen, unsere Leiber als lebendige Opfer darzubringen. Es wurde uns befohlen, für Gläubige, genauso wie für Ungläubige ein Vorbild zu sein. Wenn wir, die wir uns Pastoren und Leiter nennen, damit beginnen zu gehorchen, dann werden unsere Gemeinden sich verändern, unsere Gesellschaft wird sich verwandeln, und dann werden wir vielleicht gerade in unserer Generation sehen, wie die Welt Christus annimmt. PS: Ich bin ein Diener am Evangelium, in einem Seminar ausgebildet und ordiniert und habe der Gemeinde Gottes seit 1972 gedient. Ich habe in Gemeinden als Mitarbeiter gedient. Ich habe als Pastor in Gemeinden weltweit gedient. Ich bin Gemeindegründer und Missionar. Ich liebe die Gemeinde, aber ich bin beunruhigt über die Entwicklungen, die ich in den Gemeinden sehe, v.a. über diejenigen, die im Westen beginnen und sich dann über die ganze Welt ausbreiten. Ich liebe das Wort Gottes, aber es beunruhigt mich, dass seinen Lehren so wenig gehorcht wird und dass es so wenig Leiter in den Gemeinden gibt, die Gehorsam dem Wort gegenüber und Bibelwissen lehren. Ich bin ein Leiter, aber diejenigen Leiter beunruhigen mich, die Respekt und eine gewisse Position einfordern, anstatt Diener zu sein. Ich liebe Menschen und ich gebe mein Leben hin, damit alle die Möglichkeit haben, das Evangelium Jesu Christi zu hören und anzunehmen. |