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Der Jäger und der Hirte - Teil 2 PDF Drucken E-Mail

Jäger sind fürs Jagen geschaffen; sie lieben die Jagd. Hirten sind fürs hüten geschaffen; sie lieben das Hüten und Weiden der Herde. So einfach ist das, oder? Nicht ganz... In der Realität sind die Unterschiede nicht so klar und deutlich.

Wir arbeiten am besten wenn wir im Rahmen unserer Stärken bleiben. Viele von uns kennen jedoch diese Stärken nicht. Aus verschiedenen Gründen ringen wir darum, herauszufinden wer wir sind und was wir tun sollen. Warum ist das so? Dazu möchte ich einige Gedanken erörtern ...

  1. Das historische Modell einer kongregationalen Gemeinde hat die Tendenz, sich ausschließlich auf den Hirten (Pastor)-Lehrer zu konzentrieren. Wurden dann andere Begabungen in der Gemeinde erkannt, hat man sie in verschiedene Variationen der Hirtenrolle hineingepresst. Der Apostel wird beispielsweise oft als eine Art „Super-Pastor“ gesehen. Der Evangelist wurde oftmals zum „Missionspastor“ - oder er wurde abgewiesen und musste seinen eigenen unabhängigen Dienst beginnen um zu überleben. Der Prophet wurde zum „Predigt-Pastor“ oder in manchen Kreisen derjenige, der Prophezeiungen von sich gab, die den Leuten gefielen aber sie nie wirklich herausforderten. Natürlich war der Prophet in der ganzen Kirchengeschichte niemals wirklich willkommen in der Gemeinde. So sehen wir, dass jede Gabe in der Gemeinde in das Bild des Pastors hineingestaltet wurde. Und das hat für Verwirrung gesorgt! Viele Jäger wurden dazu gezwungen, Hirteninstinkte zu entwickeln um in der Gemeindeleitung zu überleben. Sie wurden zu „Jäger-Pastoren“. Diese angelernten Fähigkeiten verwirren Jäger-Persönlichkeiten, denn nun kämpfen sie gegen ihr Selbstverständnis als passionierte Jäger.
  2. Nicht alle Persönlichkeiten oder geistlichen Gaben passen in die Rolle eines Jägers oder eines Hirten. Eph.4,11 erwähnt vier oder fünf verschiedene Gaben, die der Gemeinde gegeben sind. Andere Listen bieten ein weit größeres Spektrum von Begabungen. Aus Platzgründen werde ich nur die Epheser-Stelle kommentieren. Hirten arbeiten ohne Schwierigkeiten in der Rolle des Hirten (Pastor)/Lehrers. Jäger passen eher in die evangelistische, prophetische und apostolische Rolle. Das ist keine absolute Aussage, sondern einfach eine Beobachtung. Die offensichtlichste Jäger-Rolle ist die des Evangelisten. Wenn sie sich auf maßgeschneiderte Evangelisation konzentrieren, werden sie zu großartigen Gemeindegründern. Menschen mit apostolischen oder prophetischen Begabungen ringen oft damit, sich selbst ausschließlich in der Rolle des Jägers oder des Hirten zu sehen. Propheten sind darauf aus Probleme zu erjagen. Sie sind sehr kritisch und wenn sie etwas verkehrtes sehen können sie nicht still bleiben. Wenn ihre Begabung nicht reif ist werden sie sehr problematisch - sie machen Jagd auf jede Sünde und jedes Problem im Leib Christi und kritisieren es. Apostolische Menschen sehen sich selber oftmals sowohl als Hirte als auch als Jäger. Paulus und Barnabas wurden von der Gemeinde in Antiochia auf die Jagd geschickt - einen Apostel-Trip. Die Arbeit, zu der Gott sie berufen hatte, brachte es nicht mit sich, zu Hause zu bleiben. Ich kenne einige wunderbar väterliche apostolische Menschen, aber die Natur ihrer Berufung erlaubt es ihnen nicht, zu viele Bindungen einzugehen. Sie neigen zu Jäger-Persönlichkeiten, aber sie sind auch ein wenig mit dem hüten beschäftigt. Unsere unterschiedlichen geistlichen Gaben werden am besten in einem ausbalancierten Team eingesetzt. In der Sprache der Gemeindegründungsbewegung (GGB) ausgedrückt: Der „Strategie-Koordinator“ könnte irgendeinen Gaben-Mix innerhalb eines gesunden Teams haben. Auf sich allein gestellt arbeitet er allerdings am besten als Jäger. Demjenigen, der ein „Katalysator“ einer GGB ist, wird es schwer fallen zu hüten. Seine Rolle besteht darin, Bewegungen in Gang zu setzen und dann weiterzuziehen - er ist ein Jäger par excellence!
  3. Die Unterscheidung zwischen Jägern und Hirten hilft, unsere Schwerpunkte zu deutlich zu machen. Es kommt selten vor, dass eine Person ausschließlich ein Typ ist. Auch Jäger haben Familien für die sie sorgen. Sie können mehr oder weniger wie Hirten sein, abhängig von ihrer Persönlichkeit. Und gelegentlich lieben Hirten den Nervenkitzel einer Jagd! Wiederum, alle diese Gaben finden ihren besten Ausdruck innerhalb eines Teams.

 

Inwieweit betrifft oder hilft uns das alles? Es hilft, uns selber über unsere primäre Leidenschaft und Berufung im klaren zu werden. In einer GGB sollten die Jäger von ihren örtlichen Verantwortlichkeiten und Verwaltungsarbeiten entlastet werden. Wenn Jäger zuhause bleiben müssen und bestehende Dinge am laufen halten, brennen sie schnell aus. Sie sollten vielmehr mit älteren und erfahreneren Jägern zusammen arbeiten. Sie sollten zu zweit in Jagd-Teams sein. Wir werden ein unglaubliches GGB-Wachstum sehen wenn wir Jägern die Freiheit lassen all das zu sein wozu Gott sie geschaffen hat.

Hirten hingegen sollten dazu ermutigt werden, gelegentlich auf die Jagd zu gehen. Aber Hirten müssen auch dazu ermutigt werden, ihre Hüte-Instinkte in vollem Umfang einzusetzen. Hirten können und sollten Gemeinden gründen, aber sie sind keine ausgesprochenen Gemeindegründer. Ausgesprochene Jäger tun praktisch nichts anderes - sie gründen ständig neue Gemeinden. Sie machen eine Sache und die machen sie gut. Hirten werden benötigt um dem Leib Stabilität, Ausgewogenheit und Gesundheit zu geben. Ohne Hirten würde jede Gemeindegründung in die Luft fliegen anstatt zu wachsen. Sowohl der Jäger als auch der Hirte können die Pioniere einer neuen Gemeindegründung sein. Wenn sie im Team zusammenarbeiten, um eine neue Gemeinde zu starten, werden sie äußerst erfolgreich sein. Der Jäger ist dazu fähig, die DNA einzuführen, die Leitung einem Insider (oftmals ein Hirte) zu übergeben und dann weiterzuziehen zur nächsten Gemeindegründung. Der Hirte (als ein Leiter von außerhalb) ist in der Lage der Gemeinde Stabilität zu verleihen, ihr im Reifeprozess beizustehen und sie mit anderen Gemeinden in der Region zu vernetzen.

Bei all dem sollten wir darauf achten, dass Jäger und Hirten zusammenarbeiten. In unserer Bewegung beginnen wir damit, sie in Teams zusammenzustellen. Wir stempeln die Leute nicht einfach ab oder pressen sie in eine bestimmte Rolle, sondern helfen ihnen einfach ihre primäre Begabung und Leidenschaft zu finden. Wenn sie ihre verschiedenen Begabungen nicht verstehen und sie landen im selben Team könnte das dazu führen, dass sie sich gegenseitig neutralisieren. Wir haben alle die Neigung, zu versuchen Menschen uns ähnlich zu machen. Ein Mangel an Verständnis führt zur Kritik aneinander. Wenn ein Team jedoch seine unterschiedlichen Stärken versteht, werden sie zu einem kraftvollen Gemeindegründungsteam, das Synergieeffekte nutzt.

Wir bauen dauerhafte Gemeindegründungsbewegungen indem wir Jäger und Hirten verstehen und in Teams zusammenstellen.

David Broodryk

Johannesburg, Südafrika