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Gemeindegründungsbewegung PDF Drucken E-Mail

Eine Zusammenfassung von D. Garrison´s Buch: Gemeinde-Gründungs-Bewegungen.

Definition einer Gemeindegründungsbewegung

"Eine Gemeindegründungsbewegung ist eine schnelle und exponentielle Vermehrung von einheimischen Gemeinden, die innerhalb einer gegebenen Volksgruppe oder eines Bevölkerungssegments Gemeinden gründen." Garrison, D., Gemeinde-Gründungs-Bewegungen, Freitagsfax Verlag, 2002, S.11

Was ist eine Gemeindegründungsbewegung? schnelle Vermehrung, exponentielle Vermehrung, Einheimische Gemeinde

Was sie nicht ist ... Keine Evangelisation mit Gemeindegründung. Keine Erweckung bestehender Gemeinden. Keine lokalen Gemeindegründer. Gemeindegründungsbewegung ist nicht Ziel in sich.

Gemeinsame Elemente von Gemeindegründungsbewegungen

  1. Gebet(sleben) ist fundamental und strategisch wichtig für jede GGB: Die Lebendigkeit des Gebetslebens der GGB-Mitarbeiter hat Vorbildwirkung für die neue Gemeinde und ihre Leiter. Die Kraftquelle, aus der wir leben, muss sichtbar werden, damit Vision und Motivation überspringen
  2. Reichliches Säen des Evangeliums: Erntegesetz: "Wer reichlich sät, wird reichlich ernten" Evangelisation durch Massenmedien ist wichtig, aber es braucht persönliche Evangelisation mit lebendigen Zeugnissen. Dort, wo durch Regierungen oder gesellschaftliche Kräfte dieses Säen verhindert wird, wurden GGBs oft eliminiert.
  3. Bewusstes Gründen von Gemeinden: Strategie für das Gründen von Gemeinden ist nötig, damit evangelistische Aufbrüche nicht verpuffen (Gemeinden entstehen nicht von selbst)
  4. Bibel ist Autorität: Bibel ist Leitlinie für Lehre, Gemeindeleben und das Leben der Gläubigen; Autorität der Bibel wird nicht hinterfragt
  5. Förderung lokaler Leiter: Selbstdisziplin der Gemeindegründer: das Heranbilden von lokalen Leitern ist wichtiger, als die Dinge selbst zu tun. Es ist schwierig, später von einer Ich-kann-es-besser-Rolle zurückzutreten Missionare begleiten Gemeindegründer nur beratend. Training durch Vorbild. Trotzdem geschieht der größte Lerneffekt durch modellhaftes Leben, z.B. wenn neue Leiter beobachten können, wie man Bibelstudien für Unbekehrte durchführen kann, bei denen sich alle Teilnehmer einbringen können -> partizipatives Bibelstudium
  6. Laien als Leiter: GGBs werden von Laienmitarbeitern/-leitern vorangetrieben, die normalerweise nebenberuflich arbeiten und deren Profil in etwa dem der zu erreichenden Zielgruppe entspricht. Wenn die Bewegung wächst, wird es auch Hauptamtliche geben; dies soll jedoch die Ausnahme bleiben. Das Prinzip, dass Laien leiten, bewirkt, dass es immer genügend potentielle Gemeindegründer und Leiter von Zellen gibt.
  7. Zell- oder Hauskirchen: die meisten Gemeinden sind/bleiben kleine, sich reproduzierende Zellgemeinden, die sich bei jemand zu Hause oder in kleinen Läden treffen Zellkirchen gehören zu einem (hierarchisch) strukturierten Netzwerk und sind eher denominationell (einheitliche Lehre etc.), während Hauskirchen eher dynamisch, nicht hierarchisch organisiert und weniger anfällig für Unterdrückung durch repressive Regierungen sind. Oft treten beide Formen innerhalb einer GGB auf. Chancen von Zell- bzw. Hausgemeinden. Entspricht NTlichen Vorgehensweise (Häuser: Apg.16,15; Apg.18,7ff; Schule des Tyrannos: Apg.19,9ff)). Geringe Kosten, hohe Flexibilität. Transzendente Leitung (1.Kor.1) anstatt große Verwaltung.
  8. Gemeinden gründen Gemeinden: Die Mitglieder einer Gemeinde müssen der Überzeugung sein, dass Reproduktion natürlich ist und dass man ohne fremde Hilfe neue Gemeinden gründen kann. In GGBs lassen sich die Gläubigen durch nichts und niemand aufhalten, die Verlorenen zu gewinnen und selbst neue Gemeinden zu gründen
  9. Schnelle Reproduktion: Die Dringlichkeit und Wichtigkeit, dass Menschen zum Glauben kommen, wird kommuniziert; Laien werden zur Arbeit im Reich Gottes zugerüstet. GGB soll nicht an Schwung verlieren durch Konzentration auf unwichtige Dinge 
  10. Gesunde Gemeinden: Gesunde Gemeinden sollten fünf Ziele verfolgen: Anbetung/Gottesdienste, Evangelistische und missionarische Dienste, Schulung und Jüngerschaft, Dienen und Gemeinschaft. Wenn diese fünf Punkte stimmen, wird die Gemeinde "automatisch" wachsen

Häufige Faktoren in Gemeindegründungsbewegungen

  1. Anbetung/Gottesdienst in der eigenen Sprache: Identifikation mit der Kultur. Kein Kulturimport. Muttersprache (Predigt, Lieder, Gebete)
  2. Evangelisation hat Auswirkungen auf die Gemeinschaft: Familiäres & soziales Netz wertschätzen. Evangelisation soll Familienbeziehung folgen!
  3. Schnelle Eingliederung: Neugläubiger in das Leben und den Dienst der Gemeinde: Taufe nicht durch Training verzögern. Jüngerschaft fängt schon vor der Bekehrung an und hält dann dauerhaft an. Neubekehrte ermutigen: In neue Gemeinden gehen, neue Gemeinden gründen.
  4. Leidenschaft und Furchtlosigkeit: Charaktereigenschaften (Leidenschaft, Sinn für Dringlichkeit, Kühnheit auch gegen Widerstand)
  5. Hoher Preis, Christ zu werden: Bekehrung nicht populär, gesellschaftlich nicht von Vorteil -> Verfolgung, Halbherzige fallen weg.
  6. Krise bzw. Vakuum in Staat oder Gesellschaft: Gesellschaft zugänglich, wenn die Führung weg ist bzw. geistlich leer ist (Krieg, Deportation, Naturkatastrophen).
  7. Leiter werden praktisch ausgebildet: Effizientes Gemeindeleiter-Training. Training learning-by-doing im Dienst. Ausgedehnte theologische Ausbildung läuft parallel zur praktischen Arbeit.
  8. Dezentralisierte Führungsautorität: Denominationen und Gemeindestrukturen, welche eine Autoritätshierarchie aufweisen oder nach bürokratischen Entscheidungsprozessen verfahren, sind für den Umgang mit der Dynamik einer GGB ungeeignet. Leiter der Zell- oder Hausgemeinden leiten (Evangelisation, Dienst, Gemeindegründung) ohne nachfragen zu müssen.
  9. Initiatoren halten sich zurück: Initiieren, unterstützen, begleiten. Arbeit bleibt und ist einheimisch. Partizipative Bibelarbeit -> fördern Leiterrolle der Neugläubigen
  10. Gemeindegründer leiden: in einer GGB überdurchschnittlich. Krankheit, Spott, Schande (z.T. selbstzerstörerisches Verhalten; z.T. unter Einwirkung von Feinden). Auf der Hut sein und beten, wenn wir das wollen. Mk.10,38 Kosten des Dienstes: Selbstaufopferung, Einsamkeit, Erschöpfung, Kritik & Ablehnung, Druck & Verwirrung, Kosten für andere. Leiden ist Bestandteil des missionarischen Dienstes: eine Gabe (Phil.1,29), konstituiver Bestandteil christlich-missionarischer Identität (2.Kor.4,7ff) 

Praktische Ratschläge für die Gemeindegründungsarbeit

  1. Ziel von Anfang an GGB: Schlüsselpunkt! Endvision von Anfang an realisieren. Inkl. Training für Evangelisation, Jüngerschaft, Multiplikation.
  2. Strategien entwickeln und anwenden: Der erfolgreiche Strategie-Koordinator beurteilt alles was er tut rücksichtslos im Licht seiner End-Vision, einer GGB. Er lässt alles fallen, was nicht dazu führt oder führen wird. Vier Säulen: Gebet, Gottes Wort, Evangelisation, Gemeindegründung... 
  3. Alles im Licht der Endvision beurteilen: Du kannst einen guten Strategiekoordinator von einem schlechten unterscheiden, indem du siehst, wozu er „nein“ sagt. Lass alles fallen, was nicht zu einer Bewegung führt. Rücksichtslose Endvision.
  4. Zielorientiert Ernten: Mit wem beginnen wir Jüngerschaft & Gemeindegründung? Zielorientiertes Säen und Ernten. Mit denen zusammenarbeiten, die pos. auf das Evangelium reagieren. Mit Suchenden & Neugläubigen beginnen.
  5. Neugläubige auf Verfolgung vorbereiten: Ruf zu Jesus = Ruf zum Kreuz! Neugläubige vorbereiten (Übergriffe, Verfolgungen, Martyrium). Schon im Prozess der Evangelisation. Neugläubige sollen Not als Preis der Bekehrung akzeptieren lernen.
  6. „POUCH“-Methode anwenden: participative bible study, obedience, unpaid, cellgroups, house churches. Auf deutsch: Bibelstudium, an dem jeder beteiligt ist, das in der Jüngerschaft wachsen lässt; gehorsam dem Wort Gottes gegenüber; unbezahlte, im Beruf stehende Laienleiterschaft;
    Gemeinde in Zellgruppen, nicht größer als 15 Personen; Versammlungsort: in den Häusern
  7. Mehrere Leiter einsetzen: Unzulängliche Leitung hindert Wachstum! Team mehrerer Leiter hilft dies zu vermeiden.
  8. Leiter im Dienst trainieren: Leiter nicht auf Bibelschulen schicken. Dezentrale theologische Ausbildung mit praktischer Erfahrung! Learning-by-doing!
  9. Gestalten, Unterstützen, Beobachten und Überlassen

Hindernisse für Gemeindegründungsbewegungen

  1. Unbiblisches Gemeindeverständnis
  2. Zerstörung der kulturellen Identität
  3. Schlechtes Zeugnis der Christen
  4. Gemeindemodelle, die sich nicht multiplizieren
  5. Subventionen, auf die man angewiesen ist
  6. Unbiblisches Leiterverständnis
  7. Lineares Denken und -Handeln
  8. Selbstgenügsame Gemeinden, statt Anpassungsfähigkeit
  9. Strategien werden als Vorschriften verstanden