Ziel Wir verstehen Gottes Absicht mit uns Menschen: die Bewährung. Wir verstehen das Wesen der Sünde und begreifen uns selbst als sündige Menschen in Rebellion gegen Gott. Wir erkennen das Gericht Gottes an und begreifen Gottes Gnade. „Sehr gut“, aber nicht bewährt (Gen.1) In den ersten beiden Kapiteln der Bibel ist davon die Rede, wie Gott die Erde und alles Leben durch sein gesprochenes Wort schafft. Immer wieder ist die Sprache davon, dass es alles gut war. Die Erschaffung des Menschen sogar sehr gut (Gen.1,27). Mit der Erschaffung der Frau wird deutlich, wie liebevoll sich Gott um den Menschen sorgt und kümmert. Er schafft ihm ein Gegenüber „aus seinem Fleisch“ (Gen.2,18-25). Wie könnten wir die Beziehung zwischen Gott und Mensch beschreiben? Der Mensch ist Gott untergeordnet. Es gibt klare Grenzen zwischen Schöpfer und Geschöpf. Der Mensch bekommt aber einen eigenen Herrschaftsbereich, in dem er leben und sich auch ausleben und verwirklichen darf. Gott sorgt wunderbar in Liebe für sein Geschöpf. Er lebt in Gemeinschaft mit ihm. Der Mensch kann Gott sogar von Angesicht sehen - es ist also ein direktes Zusammenleben. Der Mensch kennt keine Scham, keine Angst und keine (Todes-)bedrohung. Der Mensch hatte alles, was er zum Leben brauchte. In jeglicher Hinsicht. Nur eine Sache fehlte ihm: Er war noch nicht bewährt. Deshalb setzte Gott eine Grenze an der sich entscheidet, ob der Mensch Gott respektiert und ihm aus freien Stücken folgt. Die nachfolgenden Kapitel zeigen nun, warum die Welt ist, wie sie ist: Verdorben und in moralischer Hinsicht vom Bösen durchdrungen. Es wird gezeigt, dass Gott die Welt gut geschaffen hat, der Mensch sie jedoch durch seinen bewussten Ungehorsam verdorben hat. Das menschliche Herz – böse von Kindheit an In der ganzen Urgeschichte nach der Schöpfung sehen wir, dass der Mensch von der Auflehnung Gott gegenüber durchdrungen ist. Die Sünde ist aber nicht im Menschen. Kain wird z.B. aufgefordert über die Sünde zu herrschen. So sollte das sein. Aber wir sehen bei ihm, wie tief verwurzelt Dinge wie Neid und schlechte Gedanken in unserem Leben sind. Wir lesen die Texte der Urgeschichte immer so, als sei in Gen.3 die Trennung, der Wendepunkt der Menschheitsgeschichte. Nach dem hebräischen Text ist das aber nicht so. Der große Bruch durch die Sünde kommt eigentlich erst bei Noah (Gen.6), als die ganze Menschheit wegen ihrer Schuld und ihrer Auflehnung vernichtet werden soll. In der Urgeschichte gibt es 5 Texte, die dieses böse Herz des Menschen deutlich machen. - Gen 3 Sünde gegen Gott Ungehorsam - sein wollen wie Gott
- Gen 4 Sünde gegen den Nächsten Kain und Abel, Brudermord (Kain=stark / Abel=Windhauch)
- Gen 6-9 Gericht und Bund Sintflut wegen des Herz des Menschen
- Gen 9 Sünde gegen den Nächsten Noah und seine Söhne (Trunkenheit/Verachtung/Fluch)
- Gen 11 Sünde gegen Gott Der Turmbau zu Babel: Großer Name, wie Gott sein
Gen.3: Sünde gegen Gott: Ungehorsam - sein wollen wie Gott In Gen. 3 lesen wir von dem Sündenfall und dem Ende des Paradieses. Auslöser für dieses Desaster ist eine einfache Frage. Die Schlange (eigentlich der „Schlang“) lügt nicht, sät aber durch eine verführerische Frage Misstrauen zwischen Mensch und Gott. Was die Schlange verspricht, ist nicht ein Verhalten von Geschöpfen, sondern die Gottgleichheit. Der Mensch wird herausgefordert sich mit Gott auf die gleiche Stufe zu stellen. Er wird zur Rivalität mit Gott herausgefordert. Der Mensch verlässt seine Bestimmung als Repräsentant Gottes, wie es zu Beginn der Fall war. Die Gottgleichheit ist vom Menschen angemaßt. Was hat sich in der Beziehung zwischen Gott und Mensch jetzt geändert? Adam und Eva sehen nach dem Sündenfall nicht mehr, sondern weniger: - V7 Erleben Nacktheit als Scham + Bedrohung -> Schutz wird nötig
- V8 Angst vor Gott statt Liebe und Vertrauen -> Versteckspiel beginnt
- V12+13 “Die Frau...” - Schuldverschiebung beginnt
- V14+15 Fluch und Strafe beginnen – Menschsein wird dämonisch angefochten
- V16-19 Mutterschaft und Ehe, Arbeit und Broterwerb werden schmerzvoll und mühsam
- V19 Der Mensch wird sterblich
- V20-24 Gott sorgt trotzdem und ordnet das Leben jenseits von Eden
Gott ist gnädig und erhält den Menschen. Der Mensch wird nicht verflucht (wie die Schlange), sondern bestraft. Seitdem ist jeder Mensch Sünder. Jeder lebt in Trennung von Gott, ist dem Tod verfallen und unter dem Gericht Gottes. (Röm.3,10-12) Adam hat nicht auf Gott, sondern auf einen Menschen gehört und hat sich gegen Gott aufgelehnt. Und schon hier wird deutlich: Wir brauchen Versöhnung mit Gott. Anstatt dass die ersten Menschen für ihre Tat sofort getötet werden, spricht Gott sie an. Er fragt den Menschen: „Adam, wo bist du?“ Und beginnt damit schon zu diesem Zeitpunkt eine neue Beziehung. Gott wünscht sich, dass der Mensch sich wieder zu ihm stellt. Diese Frage stellt der Schöpfer bis heute jedem Menschen: „Wo bist du? Warum wiederstehst du mir?“ Die Aussage „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2.Kor.5,20) ist die Antwort auf diese Frage. Der Mensch wird aus dem Paradies ausgeschlossen und damit aus der Lebensgemeinschaft mit Gott. Gott spricht hier im Plural. Aus dem Paradies vertrieben zu sein heißt auch, keinen Zugang mehr zum Baum des Lebens zu haben, also zum ewigen Leben. Der Mensch muss nicht sofort sterben, aber das Sterben gehört zur Menschheit dazu. Ein Beispiel: Im Alten Orient wurden Verträge mit Segen und Fluch abgeschlossen. Sobald jemand einen Vertrag gebrochen hat, wurde die Wirkung des Fluches ausgelöst, was aber nicht bedeutete, dass der Fluch sofort eintraf. So ist nicht nur die Gottesbeziehung durch den Sündenfall betroffen, auch die Beziehung zwischen den Menschen, die Beziehung zur Sachwelt und schließlich die Beziehung zu sich selbst. Das ist der Kreislauf der Entfremdung – zu Gott, zum Nächsten, zur Umwelt und zu sich selbst. Das ist die Konsequenz der Sünde.Dies können wir auch in Gen.3 sehen. Adam starb nicht an dem Tag, an dem er gesündigt hatte, sondern an dem Tag begann die Wirkung des „Fluches“, er wurde aus dem Paradies ausgestoßen. Eine Konsequenz der Sünde ist in der Urgeschichte dramatisch entfaltet: Kain & Abel - der Brudermord Gen.4,1-16: Sünde gegen den Nächsten: Kain und Abel - der Brudermord Ein böses Herz voller Neid & Missgunst Eva freut sich, als Kain geboren wird und bevorzugt ihn wohl. Bei Abel sagt schon sein Name, dass er ein „Nichts“ ist (wörtlich: Windhauch). Doch trotz seines Äußeren nimmt Gott Abels Opfer an. Kain ergrimmte sehr (Gen.4,5). Er senkte seinen Blick, das heißt, er konnte Abel nicht mehr ansehen. Die Beziehung ist gestört und Schuld ist da. Gott spricht nun zu Kain wie er im Paradies zum Menschen spricht. Vers 7 zeigt, dass die Sünde nicht aus dem Menschen kommt, sondern dass sie von außen kommt. Kain soll sie beherrschen. Es ist zu beachten, dass ihm dies vor der Tat gesagt wird. Gott sagt Kain, er solle über die Sünde herrschen, also: Tue das nicht! Dann wird Kain initiativ (Gen.4,8) und vollführt einen bewusst geplanten Mord. Das passiert nicht aus dem Affekt heraus. Gott fragt dann Kain (Gen.4,9): „Wo ist dein Bruder Abel?“ Das ist eine ähnliche Frage wie die zu Adam („Wo bist du?“). Gott macht den Menschen durch diese Frage für seinen Mitmenschen verantwortlich. Gen.6-9: Gericht & neuer Bund: Sintflut wegen dem Herz der Menschen Leben in Freiheit unter neuen Vorzeichen In den Kapiteln 6-9 wird beschrieben, wie Gott den Beschluss fasst, die Menschheit zu vernichten (Gen.6,5). Gott sah, dass die Erde nicht mehr das ist, was sie einmal war. (Gen.1,31: die Erde war sehr gut / Gen.6,12: die Erde war verdorben) Gott beschließt, die Erde zu zerstören, aber Noah fand Gnade vor ihm. Gott reut es, dass er die Erde gemacht hat. Dies sagt aber nicht aus, dass Gott einen Fehler gemacht hat. Für Gott war die Entwicklung nicht unerwartet, aber auch nicht zwangsläufig. Ihn reut es, dass er den Menschen gemacht hat und die Entwicklung, die sie gemacht haben. Doch er macht einen Neuanfang mit Noah. Es ist wie ein „Großreinemachen“ der verdorbenen Erde. Noah tat eins zu eins das, was Gott ihm gebot. Er ist somit ein Gegensatz zu Adam, der Gottes Gebot nicht hält. Noah hält Gottes Gebot zu 100%, was im Text mit den ganzen Wiederholungen deutlich wird. Die Flut beginnt, das Wasser steigt und alles Leben wird vernichtet. In Gen.8,6-14 wird das Ende der Flut beschrieben. Nach dem Gericht und dem Gebot, die Arche zu verlassen beschließt Gott die Menschheit zu bewahren. Hier ist interessant, dass Gott trotz des bösen Herzens des Menschen die Erde nicht mehr zerstören will. Gott garantiert den Lebensrhythmus und gibt als Zeichen dafür den Regenbogen. Der moralische Standard Gottes ist hiermit nicht aufgehoben, sonder Gott muss eine andere Perspektive, eine andere Lösung haben in Hinsicht auf das böse Herz des Menschen. Dieses „böse Herz“ wird hier auf Noah und seine Familie bezogen, also die Menschen, die in allen Dingen Gott gehorsam waren! Deutlich wird das an dem anschließenden Bericht über Noah und seine Söhne. Gen.9,18-28: Sünde gegen Nächsten: Noah und seine Söhne Trunkenheit, Verachtung & Fluch Noah, dieser gute Mensch, der Gott in allem gehorsam war, betrinkt sich nach der Sintflut. Da liegt er nun in seinem Suff, entblößt, nicht schön anzusehen. Ham kommt vorbei und verachtet seinen Vater. Die anderen Brüder aber decken die Scham ihres Vaters rückwärts gehend zu. Als Noah davon hört, verflucht er nicht Ham, sondern dessen Sohn Kanaan (Kanaan = Sohn des Hams). Wir haben es hier also mit der Verachtung der Kinder gegen die Eltern und dem Fluch von Eltern gegen die Kinder zu tun. Gen.11: Sünde gegen Gott: Der Turmbau zu Babel - wie Gott sein & einen großen Namen haben Die Menschen wollten wie Gott sein – sie wollten ihm ebenbürtig im Himmel sein Die Menschen wollen sich einen Namen machen, sie wollen wie Gott sein. Gott kommt herunter zu Erde und muss erst nachsehen, wo der Turm überhaupt ist – das zeigt die Ironie dieser Geschichte. Beim Turmbau zu Babel verwirrt Gott die Menschen mit verschiedenen Sprachen. Interessant ist, dass in Gen.10 die 70 Völker nach ihren Sprachen aufgeteilt werden, d.h., Kap.11 kommt geschichtlich gesehen vor Kap.10. Schluss Diese Geschichten von Gen.3 - 11 berichten beispielhaft für die ganze Menschheit. Eltern müssen vor ihren Kindern Angst haben, Kinder vor ihren Eltern und Geschwister vor ihren Geschwistern. Dies zeigt uns die Urgeschichte und so ist die Menschheit bis heute geblieben. Trotz des Neuanfang nach der Sintflut. Das Herz des Menschen bleibt böse und obwohl wir uns entscheiden dürfen, wählen wir die falsche Seite. Wir leben in einer Zwischenzeit. Wir leben zwar, aber ohne Gott. Wir haben die ursprüngliche Gemeinschaft mit ihm verlassen. Wir haben uns gegen ihn aufgelehnt und können die zerstörte Beziehung von unserer Seite nicht wieder aufbauen. Was kann uns aus dieser Situation heraushelfen? (Wie) können wir das Paradies zurückgewinnen? Wenn Gott die Erde nicht mehr zerstören will, weil das menschliche Herz böse von Jugend auf ist, dann muss er einen anderen Weg mit den Menschen wählen. Der Mensch hat die Ebenbildlichkeit mit Gott weitestgehend verloren. Er ist kein echter Repräsentant Gottes mehr. Diese Situation löst Gott Jahrhunderte später durch seinen Sohn Jesus Christus. Durch seinen stellvertretenden Tod hebt er die Trennung zwischen Mensch und Gott auf. Er macht uns nicht zu perfekten Ebenbildern, aber zu Menschen die durch seinen Geist zu Nachfolgern werden und ihm immer ähnlicher werden. Wir Menschen sollen uns bewähren. Wir sollen Gott an uns arbeiten und uns verändern lassen, bis wir einmal in inniger Gemeinschaft mit ihm Leben. Diesen Weg sehen wir aber nicht erst zu Jesu Zeiten, sondern schon bei der Erwählung Abrahams in Gen.12.
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