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Schöpfungsbericht PDF Drucken E-Mail

Ziel

Die Teilnehmer verstehen und bejahen den Sinn der menschlichen Existenz. Dabei soll es nicht um eine Diskussion über Evolution und Kreationismus gehen.

Schwierigkeiten beim Lesen der Urgeschichte

Was für eine Art von Text ist das? Wie sollen wir diese Texte lesen? Wer hat sie geschrieben? Wie kam er zu diesen Kenntnissen? Alles Fragen, die wir nicht schlussendlich beantworten können. Die Texte sind von Gott „gehaucht“. Dieser Begriff wird in Gen.2 zum ersten Mal erwähnt, als Gott in den Menschen haucht. Möglicherweise gibt es hier eine Verbindung zum NT. Der Text ist von Gott inspiriert.

Wie steht die Urgeschichte im Verhältnis zu den Überlieferungen der babylonischen Urgeschichten und Überflutungsgeschichte? Viele nehmen an, dass die Israeliten diese Texte im Exil von den Babyloniern übernahmen und dann Jahwe einfügten. Man kann es aber auch anders sehen, dass nämlich die biblische Geschichte die Urgeschichte ist, wie sie es von sich selbst behauptet, und dass die anderen Urgeschichten darauf basieren.

Naturwissenschaftliche Fragen: Hat die Schöpfung wirklich so stattgefunden, wie sie in der Bibel steht? Der Kreationismus sieht dies so und es gibt hier auch viele gute Ansätze. Allerdings, und das ist die Stärke von vielen, gerade auch deutschen Kreationisten, haben sie keine endgültigen Antworten, was sie auch zugeben. Die Schöpfungswoche wird in Gen.1 nicht fortgesetzt, in der ganzen Genesis werden sonst keine Tage mehr erwähnt.

Wieso lesen wir von zwei Schöpfungsberichten? Die Bibel beinhaltet nicht zwei Schöpfungsberichte, sondern zwei Schilderungen. Im hebräischen Denken wird ein Sachverhalt nicht chronologisch abgearbeitet, sondern umkreist. In Gen.1 liegt der Fokus auf Erschaffung des ganzen Kosmos. Gen.2 legt den Fokus auf die Erschaffung des Menschen.

Der Schöpfungsbericht ist wahr, er ist aber keine wissenschaftliche Abhandlung. Er spricht in poetischer Sprache, in Worten der Beobachtung (wie wir: "Die Sonne geht auf...") und in den Begriffen der antiken Welt. Kern des Schöpfungsberichts ist eine Botschaft: Gott ist der Schöpfer und der Herr.

Fragen zur Urgeschichte

Warum gibt es die Bibel und wozu enthält sie einen Schöpfungsbericht? Warum ist es wichtig zu wissen, wie die Welt entstanden ist?

Wenn wir nicht wissen wo wir herkommen, wissen wir auch nicht, wozu wir da sind - wozu wir auf diesem Planeten sind - und wo wir hingehen.

Wenn kein Gott die Welt geschaffen hat, sind wir als Menschen alleine - und alleine verantwortlich. Wenn Gott die Welt geschaffen hat, sind wir seine Geschöpfe und ihm verantwortlich!

Unsere ganze Lebenshaltung hängt an den Fragen: Wo kommen wir her und wozu sind wir da? Wo gehen wir hin? Diesen Fragen geht der Schöpfungsbericht nach und legt uns herausfordernde Antworten vor.

Was erfahren wir über Gott, den Schöpfer?

Was "tut" Gott im Schöpfungshandeln? Welche Verben werden im Text verwendet? Was lernen wir über das Wesen Gottes? Warum mag Gott die Welt überhaupt erschaffen haben?

Das Wort, welches für Gottes Erschaffen gebraucht wird („bara“), wird nur für das Erschaffen von Gottes Seite gebraucht. Dieses Wort wird nie für andere Wesen benützt, sondern ausschließlich für den Gott Israels. Gott spricht – und dann geschieht es, es steht da, etwas Neues entsteht. Gott schafft nicht aus dem Nichts, er schafft aus seinem Wort. Er ruft die Dinge ins Dasein. 

Werner Gitt macht deutlich, dass alles, was in der Schöpfung existiert, aus Information besteht. Das bestätigt das Schaffen durch das Wort Gottes. 

Im Zusammenhang mit der Schaffung des Menschen wird es dreimal erwähnt. Es steht also am Anfang und am Ende der Schöpfungsgeschichte und dann dreimal für die Erschaffung des Menschen. Dies macht deutlich: Das Ziel der Schöpfung ist der Mensch.

Was erfahren wir über die Welt?

Wie ist unsere Welt aufgebaut? Für wen ist diese Welt geschaffen - wie hat Gott Vorsorge für uns Menschen getroffen?

Die Schöpfungsgeschichte ist die Einleitung zum Toledot – Schema. Wir haben es mit 6 Schöpfungstagen zu tun und mit 8 Schöpfungswerken:

  • Tag 1 Werk 1 Licht (Trennung von der Finsternis)
  • Tag 2 Werk 2 Trennung der Wasser durch die Feste
  • Tag 3 Werk 3 Trennung von Land und Meer; Werk 4 Erschaffung der Vegetation
  • Tag 4 Werk 5 Lichter am Himmel (Sonne, Mond, Sterne)
  • Tag 5 Werk 6 Wassertiere und Vögel des Himmels
  • Tag 6 Werk 7 Landtiere; Werk 8 Mensch, männlich/weiblich, im Bild Gottes
  • Tag 7 Sabbat Ruhetag - gesegnet und geheiligt
Die Welt ist ihrer Einzigartigkeit auf Leben ausgerichtet. Perfekt abgestimmt auf alles, was Lebewesen brauchen. Das Ziel der Schöpfung und damit das Ziel der Welt, ist der Mensch.

Was erfahren wir über uns Menschen?

Was ist unsere „Wesensart“ - was steckt in uns drin? Was sind wir, wenn wir als „Ebenbilder Gottes“ bezeichnet werden?Welche Aufträge hat Gott den Menschen gegeben? In welchem Zueinander sind Mann und Frau geschaffen? Was bedeutet das für unsere heutigen (Ehe-)verhältnisse?

Die ganze Schöpfung wird von Gott an den Menschen übertragen. Alle Menschen werden Stellvertreter Gottes auf Erden, sie sind Mandatsträger, sollen auf ihr herrschen.

Wir sind Repräsentanten Gottes (hebräisch: „zelem“)

Das hebräische Wort „zelem“ beschreibt ein Standbild, das eine Macht repräsentiert – wie wir sie heute noch aus der Kaiserzeit haben. Das bedeutet nun: Gott macht ein Standbild von sich in jedem einzelnen Menschen. Das ist die Grundidee: Jeder Mensch ist wertvoll. Das ist Menschenwürde. Wir als Christen müssen das betonen. Ein Mensch hat eine Würde, nicht in dem, was er leistet, auch nicht aus sich heraus, sondern indem er im Bild Gottes geschaffen ist! Dieses Bild Gottes wird von Gott hochgeachtet.

Die Ebenbildlichkeit ist nicht nur auf den Menschen bei der Schöpfung beschränkt, sondern gilt auch dem sündigen Menschen. Die Bibel spricht nicht von einer verlorenen oder zerbrochenen Gottesebenbildlichkeit des Menschen. 

Gott sagt (Gen.8,21-9,7), dass der Mensch unantastbar ist, weil er in seinem Bild geschaffen ist. Alles, was ich einem Menschen antue, wie ich mit ihm umgeh, betrifft auch Gott, es berührt ihn. Wenn ich Gott liebe, dann muss ich auch den Menschen mit Liebe begegnen – egal was für Menschen das sind: Schwache, Kranke, Behinderte, usw. 

Die Schlange in Gen.3,4 sagt dem Menschen: „Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ Das „Sein wie Gott“ ist das Versprechen der Schlange, das der Mensch von sich aus ergreifen will, obwohl er es von Gott schon bekommen hat. Der Mensch will in Rivalität neben Gott stehen, er will sein wie Gott. Damit ist er nicht mehr der von Gott Berufene. Das ist Sünde.

Wir haben Ähnlichkeit mit Gott (hebräisch: „demuth“)

Ein Sohn ähnelt dem Vater. Der König Ahas machte ein Abbild, ein Modell von dem assyrischen Altar in Damaskus, um ihn in Jerusalem aufzustellen, wofür ebenfalls das Wort demuth gebraucht wird.  Worin besteht nun die Ähnlichkeit des Menschen mit Gott? Dazu gab und gibt es viele Auslegungen:
  • Die alte Kirche sagte, die Seele des Menschen ist Gott ähnlich
  • Im Mittelalter: die unsterbliche Seele des Menschen, die dann bei Gott bleibt
  • Die geistigen Fähigkeiten des Menschen, der Verstand (Thomas von Aquin)
  • Die kulturellen und zivilisatorischen Fähigkeiten des Menschen
Ist es die Sprache der Menschen? Denn Tiere reden ja nicht, obwohl man mit ihnen reden kann. Die gestalterische Fähigkeit kann es auch nicht sein (siehe Schwalbennest) und körperliche Fähigkeiten wohl auch nicht (siehe Elefant, Fledermaus).

Es muss etwas sein, das der Mensch besser kann als die anderen Geschöpfe. Doch dafür gibt es keine befriedigenden Ergebnisse.

Das Besondere am Menschen ist seine Ähnlichkeit mit Gott. Er wird in die Gemeinschaft mit Gott gerufen. Durch das Reden zeigt sich die Beziehung Gottes mit den Menschen. Die Sprache des Menschen ist seine Ähnlichkeit mit Gott:

Gottes Reden mit dem Menschen und das Reden der Menschen untereinander zeigt die Würde in Gott und die Ähnlichkeit des Menschen mit Gott.

Die Juden sagen, Gott hat die Erde durch 10 Worte geschaffen (10x „er sprach“). Interessanterweise besteht der Dekalog ebenso aus 10 Geboten.

Der Mensch soll benennen, den Tieren und Vögeln Namen geben (Gen.2,19). Er setzt sich durch Sprache in Beziehung mit der Welt. Deshalb sagt Gott dem Menschen, er soll benennen.

Wenn dies so ist, wenn das Reden so grundlegend für die Gottesbeziehung ist, dann ist es kein Wunder, dass sich Israel kein Gottesbild machen soll, sondern es nur das Wort Gottes auf Tafeln geschrieben hat. Der heiligste Ort Israels sind die Worte Gottes, die Gott gegeben hat. Deshalb ist der Kult Israels bilderlos, denn der Mensch ist das Bild Gottes. 

Das Zentrum des Gottesdienstes Israels sind die Gesetzestafeln mit Gottes Wort darauf geschrieben. Dieses Wort soll gelesen, gelehrt und eingeprägt werden, dieses Wort soll man ausleben, man soll sich daran halten.

Darum kam Jesus als das Wort Gottes in die Welt (Joh.1). Er ist das Wort, welches am Anfang war und bei Gott war. Dieses Wort Gottes wurde Fleisch, wurde Mensch. 

Das ist die Grundlage, warum das Wort so zentral ist für die Gottesbeziehung – auch für uns heute als Gemeinde. Wenn wir uns an dem Wort Gottes ausrichten und danach leben, dann wird Gemeinde wachsen.  Wir haben in Gen.1 gesehen, dass Gott ein kommunizierender Gott ist – in sich selbst und indem er mit dem Menschen redet. Die Sprachgemeinschaft wäre dann der Punkt, an dem die Ähnlichkeit des Menschen mit Gott besteht. Es ist eine verwandtschaftliche Ähnlichkeit und Gemeinschaft, wie Vater und Sohn.

Gott verwirft dann die Menschen (Sündenfall, Sintflut) und beruft sich ein neues Volk durch Abraham. Dieses Volk nennt Gott sein Kind (Dtn.32). Die Israeliten repräsentieren im Alten Testament die Menschheit als Zeichen der Sohnschaft der Menschen von Gott.

Exkurs: Arbeit und Kreativität des Menschen

Gott hat dem Menschen das Mandat gegeben, die Welt zu gestalten. Der Mensch soll die Erde bewahren, bearbeiten und bebauen (Gen.2). 

Wenn jemand etwas macht, dann ist das nicht „nur Schrott“. Wir sollen Respekt davor haben, wenn jemand etwas fertigt und sich dabei bemüht hat.

Arbeit ist für uns meistens etwas Schweres, das wir nicht gerne tun. Wenn wir aber unsere Arbeit verlieren, ziehen wir uns zurück, schämen uns und fühlen uns wertlos und degradiert. Zuerst kommt der Schock, dann will man es wieder packen, dann kommt die Depression. Deshalb ist es so wichtig für uns Menschen, Arbeit zu haben, weil wir so unsere Kreativität einbringen können. Sicher ist jeder Mensch verschieden, dazu kommt noch, wie eine Arbeit anerkannt wird. So ist die Rolle der Hausfrau lange nicht als Arbeit anerkannt worden. Ein Arbeitsloser in einer Gemeinde kann sich gewiss in seiner „freien Zeit“ in der Gemeinde einbringen, doch wirkliche Arbeit ist das nicht.

Das Recht auf Arbeit sehen wir schon in der Bibel, doch können wir dieses Recht nicht einklagen. Es ist ein moralisches Recht, das wir Menschen haben. Wenn wir keine Arbeit haben, dann ist das eine Reduktion unserer Lebensmotivation. Wir sollten positiv über Arbeit denken. In der Arbeit sind wir Schöpfer „unserer Welt“. Wir sollten die uns gegebene Zeit nicht „totschlagen“, sondern sinnvoll einsetzen und etwas arbeiten. 

Aus diesem Grunde sagte Paulus: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Er selbst hatte als Zeltmacher gearbeitet und sich nicht bedienen lassen, wie es die Griechen gerne machten. 

Über unsere Arbeit, über unseren Beruf, über das was wir tun, identifizieren wir uns gerne. Unsere erste Identifikation sollte allerdings in Gott begründet sein. In seiner Liebe zu uns, in der Würde, die er uns gibt. Erst dann sollten wir uns mit unserer Arbeit identifizieren. Es tut uns gut, wenn wir eine gute Sicht von der Arbeit haben. Gott möchte nicht, dass wir uns durch die Arbeit kaputt machen und deshalb hat er uns den Ruhetag gegeben. Doch er möchte, dass wir unsere Gaben einsetzen und verbessern.

Exkurs: Mann und Frau

Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Und in dieser Gemeinschaft gibt es Leben und Ergänzung. Adam suchte nach einem Gegenüber und fand erst ein Eva die passende Ergänzung.  Volles Menschsein als Mann und als Frau kann natürlich auch ohne Ehe gelebt werden.

Vor Gott sind Mann und Frau trotz ihrer Verschiedenheit gleich. Sie sind gleichwertig, aber verschiedenartig.

Die Grundstruktur der Ehe kann man in Gen.2,24 erkennen: „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die beidem werden ein Fleisch sein.“ Diese Grundstruktur der Ehe wird von Jesus in Mt.19,4.5 ausdrücklich als der Wille des Schöpfers bestätigt. Sie ist die Basis für das Zusammenleben.

Es geht um Verlassen, als Voraussetzung um beziehungsfähig, eigenständig und verlässlich zu werden. Es geht um Anhangen, also um eine feste Verbindung zum Partner durch einen öffentlich-rechtlichen Eheschluss (Bund). Und es geht um ein-Fleisch-werden, zwei Persönlichkeiten werden eins und zeigen dadurch die Ganzheitlichkeit, Ausschließlichkeit und Dauerhaftigkeit der Beziehung.