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Pfingsten & Gemeindebau PDF Drucken E-Mail

Einleitung

Mit der Apostelgeschichte beginnt der zweite große Teil des Neuen Testaments. Im ersten Teil, den Evangelien, steht die Sendung Jesu im Mittelpunkt, im zweiten Teil die Sendung der Gemeinde. Die Apostelgeschichte zählt zu den Geschichtsbüchern.

Sie berichtet von den Anfängen der Gemeinde Jesu Christi. Wer das ganze Thema Gemeinde und seine eigene Rolle dabei recht verstehen will, muss sich damit beschäftigen, wie alles angefangen hat. Genau das zeigt uns die Apostelgeschichte.

Die Apostelgeschichte kommt in der Reihenfolge der Bücher des Neuen Testaments nach den Evangelien und vor den Briefen. Das ist kein Zufall, sondern zeigt die Bedeutung und die Stellung des Buches innerhalb des Neuen Testaments.

Die Apostelgeschichte ist die Brücke zwischen den Evangelien und den Briefen. Gegenüber den Evangelien ist sie eine Fortsetzung, für die Briefe liefert sie den historischen Hintergrund. Wer die Briefe, insbesondere die Paulusbriefe liest, muss die Apostelgeschichte kennen! Die Apostelgeschichte ist ein Bindeglied zwischen dem Wirken Jesu und dem Wirken der Gemeinde. Was Jesus vorausgesagt hat, erfüllt sich in der Apostelgeschichte (Joh 14,12: Ankündigung von größeren Werken).

Wir leben immer noch im Zeitalter der Gemeinde und sind herausgefordert, den gleichen Auftrag auszuführen, den schon die ersten Christen in der Apostelgeschichte begonnen hatten. Die Geschichte der Gemeinde Jesu Christi wird fortgeschrieben bis zur Wiederkunft Christi und du und ich sind Teil davon!

Wie alle Bücher der Bibel ist auch die Apostelgeschichte zur Auferbauung der Gemeinde geschrieben (2Tim 3,16). Sie ist nicht nur ein Bericht über die theologische und geographische Entwicklung der Urgemeinde, sondern ein Prinzipienbuch, das deutlich macht, auf welche Weise und unter welchen Bedingungen das Evangelium verbreitet wird. Die Hauptfigur der Apostelgeschichte ist der Heilige Geist. Er verkörpert die Gegenwart Christi unter seinen Jüngern und leitet die Verbreitung des Evangeliums an.

Aufbau der Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte ist ein spannendes Buch, das sich locker in einem Zug durchlesen lässt. Das sollten wir immer wieder tun, um die Atmosphäre des Ursprünglichen aufzunehmen. Wir sind oft so gefangen in einem traditionellen Denken, das an bestimmte Gemeinde- und Gottesdienstformen gebunden ist. Wir müssen uns immer wieder am Original orientieren!

Lukas hat sein Doppelwerk nicht als zusammenhanglose Schrift verfasst, sondern in „guter Ordnung“ (Lk.1,3) aufgeschrieben. Diese Ordnung erkennen wir auch im Aufbau. Das Buch lässt sich aufgrund des Schlüsselverses in Kap.1,8 gliedern:

  1. Das Zeugnis des Evangeliums in Jerusalem Kap 1-7
  2. Das Zeugnis des Evangeliums in Judäa und Samaria Kap 8-12
  3. Das Zeugnis des Evangeliums bis an das Ende der Erde Kap 13-28

Eine grobe Gliederung ist auch nach den Hauptpersonen möglich: Im ersten Teil des Buches ist es Petrus (Kap 1-12); im zweiten Teil der Apostel Paulus (Kap 13-28). Weitere wichtige Personen sind z.B. Barnabas, Stephanus, Philippus und Timotheus. Die Hauptperson der Apostelgeschichte ist aber, wie bereits erwähnt, der Heilige Geist.

Jetzt haben wir uns mit einigen Hintergründen zur Apostelgeschichte beschäftigt. Es geht also um den Umbruch und den Anfängen der ersten Gemeinde und um das Kommen des Heiligen Geistes, der all das erst bewirkt.

Jesus sendet den Heilige Geist

Das erste Kapitel handelt von der Wiederholung des Missionsbefehls durch Jesus, seine Himmelfahrt und die Nachwahl eines Apostels. Die Situation der Jünger ist schwierig, weil Jesus nicht mehr da ist und noch unklar ist, was die Zukunft bringen wird. Diese Unsicherheit verschwindet in zweiten Kapitel durch ein Ereignis schlagartig: Jesus sendet den Heiligen Geist.

Das zweite Kapitel der Apostelgeschichte berichtet von der Ausgießung des verheißenen Heiligen Geistes (vgl. 1,4). Sie geschah an Pfingsten, einem der drei jüdischen Pflichtfeste, an dem sich eine große Menge Juden aus dem gesamten römischen Reich versammelte. Da das Pfingstfest (Wochenfest) bereits 50 Tage nach dem Passahfest stattfand, blieben viele der weit gereisten Pilger, die keine Ausgaben gescheut hatten, vom Passahfest bis zum Pfingstfest in Jerusalem. Nach dem Geschichtsschreiber Josephus war zu diesem Zeitpunkt Jerusalem restlos überfüllt.

Der Heilige Geist kam also genau zur rechten Zeit! Möglichst viele sollten die Botschaft von Jesus als dem Gekreuzigten (Passahfest) und Auferstandenen hören und zwar jeder in seiner eigenen Muttersprache. Durch die Sprachenrede wurde Gott gepriesen. Die anwesenden Juden hörten die Worte in ihrer Muttersprache.

Das Kommen des Geistes bringt grundsätzliche Veränderungen mit sich:

Durch den Heiligen Geist versteht der Mensch das Wesen Gottes! Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen der Sendung Jesu und der Sendung des Heiligen Geistes: Jesus offenbarte den Vater. Der Heilige Geist offenbart den Vater und den Sohn, d.h. die Einheit des Vaters und des Sohnes! Dadurch erkennen wir überhaupt, wer und wie Gott ist!

Der Heilige Geist bringt eine neue Qualität der Gegenwart Gottes! Die Begegnung mit Gott geschieht nicht mehr in einem Gebäude (Tempel), sondern im Geist, d.h. in der Gegenwart des Heiligen Geistes. Das erste Werk des Geistes war die Überwindung der Sprachlosigkeit! Einerseits durch die Sprachenrede, die von den „großen Taten Gottes“ (2,11) Zeugnis gab und andererseits durch die Predigt des Petrus, der die Ereignisse im Licht der Auferstehung Jesu Christi erklärt. Der schüchterne Jüngerhaufen wurde nach dem Kommen des Geistes zu einem mutigen Zeugenteam, das um der Botschaft willen nicht einmal den Tod scheute. Die Apostelgeschichte ist voll von Predigten!

Die Pfingstpredigt des Petrus blieb nicht ohne Wirkung. Etwa 3.000 Menschen bekehrten sich und somit schlug die Geburtsstunde der Gemeinde Jesu im Jahre 31 n.Chr. in Jerusalem. Erste Eindrücke aus dem Leben der Urgemeinde berichtet Lukas in Kap 2,42-47.

In seinen Abschiedsreden verspricht Jesus seinen Jüngern, dass er sie nicht als Waisen zurücklassen wird, wenn er in den Himmel auffährt, sondern zu ihnen kommt durch den Heiligen Geist (Joh 14,18 vgl. V16-17). Die Apostelgeschichte zeigt die Erfüllung dieser Verheißung. Drei Hauptaspekte werden deutlich:

1. Der Heilige Geist kommt zu den Menschen

Das Kommen des Geistes, wie Jesus es versprochen hatte, geschieht nicht immer in ein und derselben Weise. Der Geist weht, wie und wo er will und darf deshalb in kein Schema gepresst werden. Sein Kommen ist verbunden mit Buße und Taufe (2,38). Er „fällt“ auf Menschen während einer Predigt (10,44) oder bei der Handauflegung (8,17; 19,6) und machte keine Standes- oder Herkunftsunterschiede: Er kommt sowohl zu Juden als auch zu Samaritern und sogar zu Heiden (15,8-9; vgl. 2,11; 8,14-15; 10,45; 11,15).

2. Der Heilige Geist erfüllt einzelne Personen

Der Heilige Geist erfüllt einzelne Menschen, die mit Namen genannt werden oder Personengruppen. Der Geist Gottes erfüllt keine Institutionen. Diese Personen benötigen keine herausragenden Fähigkeiten, sondern auch einfache Leute (Laien) sind zu Dingen fähig, die man ihnen nicht zutraut (Apg 4,13). Die Verkündigung der Botschaft setzt keine theologische Ausbildung voraus (Apg 8,35).

Beispiele: Petrus (4,8); die Armenpfleger (6,3); Stephanus (6,5.10; 7,55); Barnabas (11,24); Paulus (9,17; 13,9); Jünger (2,4; verbunden mit Freude:13,52); Apollos (18,25); Gebetsversammlung (4,31).

3. Der Heilige Geist leitet Menschen

Die Geistesleitung ist ein Schwerpunkt der Apostelgeschichte. Wer auf ihn hört, empfängt Weisung, aber auch hier gibt es kein Schema:
  • Er spricht direkt zu Philippus (8,29). Der Geist gibt keine Weisungen ohne verbale Mitteilungen!
  • Er redet zu Petrus während er nachdenkt (10,19) und arrangiert das Zusammentreffen mit Kornelius, dem er einen Engel schickt (10,3.5-6).
  • Er spricht in der Gemeinde während einer Versammlung (13,2), indem er namentliche Berufung ausspricht und die Sendung befiehlt (13,4).
  • Der Heilige Geist bestimmt die Reiseroute. Er verwehrt Pläne (16,6-7) und lenkt in eine ganz andere Richtung (16,9). Das Planen gehört in den Bereich und die Kompetenz des Heiligen Geistes!

Christliches Leben und Wirken ist ohne den Heiligen Geist nicht möglich. Wir müssen beständig offen und bereit sein für jede Art von Weisung, die der Geist gibt!

Der Heilige Geist leitet und erfüllt aber nicht nur einzelne Menschen, sondern ist auch der Architekt der Gemeinde. Er gibt Aufträge, schenkt Gaben und Ausrüstung und sorgt für Wachstum und Multiplikation.

Aufträge der Kirche / Gemeinde

Wer gerade das Neue Testament gründlich durchforscht, findet fünf grundlegende Aufträge für die Gemeinde (Mt.22,37-40; Mt.28,19-20), die Jesus uns mit auf den Weg gegeben hat und die von uns ausgewogen gelebt werden sollten:

Liebe den Herrn von ganzen Herzen: Anbetung.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: Dienst. Wir sollen Gottes Liebe anderen zeigen, indem wir ihren Bedürfnissen begegnen und ihre Verletzungen im Namen Jesu heilen.

Geht und macht Jünger: Evangelisation. Evangelisation ist Verantwortung und Vorrecht - Wachstum ist geboten und verheißen. Gott will, dass Menschen gerettet werden. Gemeindebau ist Mission.

Tauft sie: Gemeinschaft. Taufe symbolisiert einen Daseinszweck der Gemeinde: Gemeinschaft und Identifikation mit dem Leib Christi. Christen sollen nicht nur glauben, sondern auch dazugehören!

Lehrt sie zu gehorchen: Jüngerschaft. Die Gemeinde soll Gottes Volk auferbauen und ausbilden, und zwar jeden einzelnen ein Leben lang. Es ist die Verantwortung der Gemeinde, die geistliche Reife zu fördern.

Diese Aufträge gelten der Gemeinde, aber natürlich auch jedem Einzelnen. Anhand der Aufträge kann man sein eigenes Leben überprüfen und Defizite aufdecken.

Gabenorientierter Gemeindebau

Jesus bereitet durch seinen Geist Häuser, Arbeitsstellen, Treffen mit Menschen und anderes vor. Er ist es, der Menschen von Schuld überführt, sie zum Vater führt und vor die Entscheidung stellt.

Dabei bleibt er aber nicht stehen. Jesus hat im Zusammenhang mit dem Bekenntnis von Petrus verdeutlicht, dass die Gemeinde seine Gemeinde ist und dass er sie bauen wird (Mt.16,18). Die Gemeinde ist sein Leib. Sie besteht aus vielen verschiedenen Körperteilen, die sich ergänzen.

Durch die Austeilung der Gaben - so wie es der Heilige Geist will (1.Kor.12,11) - wird jedem Einzelnen ein Platz im Gemeindebau zugewiesen, den er ausfüllen kann. Er bekommt die entsprechenden Fähigkeiten und die Ausrüstung, um sich einzusetzen und zum Großen und Ganzen etwas beizutragen.

Wenn Gott Gaben gibt, gibt er sie, damit der Begabte darin leben und arbeiten kann und soll. Wenn er Gaben nicht gibt, so soll offensichtlich auch nicht in diesen Bereichen gearbeitet werden. Das kann bedeuten, dass die Gemeinde eine ganz andere Form und Lebensweise annimmt, als man sich vorstellt.

Eines bleibt dabei aber klar: Jesus baut seine Gemeinde und er hat sie in der Hand.

Die verschiedenen Geistesgaben

Redegaben  Natürliche GabenÜbernatürliche Gaben Gabenkombination 
  EvangelisationProphetie  
  LehreSprachenrede  
  WeisheitsredeAuslegung von Sprachen  
  Ermahnung Apostel 
  Erkenntnisrede  

 Unterstützungsgaben

 Glaube Wunder Hirte 
  BarmherzigkeitHeilung Diakon 
  GebenGeistesunterscheidung  
  Hilfeleistung  
  Leitung  

Um gabenorientiert Gemeinde bauen zu können, muss sich jeder einbringen und jeder auch zurückstehen können. Es ist nicht immer eine Gabe, die übergeordnet ist, und mit der Gemeinde geführt und bestimmt wird. Vielmehr kommt jeder geistlichen Gabe zu ihrer Zeit mal eine Überordnung, also eine Entscheidungskompetenz, oder eine Unterordnung zu. Je nach Situation gibt es also einen laufenden Wechsel in der Bedeutung der Gaben.

Steht eine Lehrentscheidung an, sind die Personen mit einer Lehrgabe gefragt. Geht es um Hilfe für Menschen, sind Personen mit der Gabe der Barmherzigkeit und der Hilfeleistung gefragt. Gibt es unklare Situationen, braucht man Personen mit prophetischer Begabung und Weisheit.

Die Gemeinde braucht - genau wie der Körper - die Ergänzung der unterschiedlichen Gaben, um richtig funktionieren zu können. Spannungen und Streit führen dazu, dass der Körper nicht mehr für seine wahre Bestimmung leben kann.

Lebendige Gemeinde/Kirche heißt Multiplikation

Das Wesen von Gottes Kirche bzw. Gemeinde ist Leben. Jedes Leben ist davon gekennzeichnet, dass es sich multipliziert. Es geht nicht nur darum, in einer bestimmten Gruppe sich wohl zu fühlen und gut integriert zu sein, sondern darum, die Aufträge Gottes auszuleben und zu wachsen.

Gott hat die Multiplikation in seine Schöpfung hineingelegt und wünscht sie sich auch für seine Gemeinde. Das Ziel heißt: „alle Menschen“. Jeder Mensch auf der Welt soll die Möglichkeit haben, sich für oder gegen Gott zu entscheiden. Und damit alle Menschen der Welt die Botschaft Gottes verstehen und ganz praktisch erleben können, müssen überall Gemeinden entstehen und wie ein Leuchtturm leuchten.

Wie hat Jesus seinen Jünger die Verbreitung der guten Botschaft gelehrt?

In Lk.10 wird von der Aussendung der 72 Jünger berichtet. Jesus schickte diese Menschen an die Orte in die er kommen wollte. Dort sollten sie Zugang zur Gemeinschaft finden und eine Personen des Friedens suchen - also eine Schlüsselperson, die geistlich offen ist. Über die „Person des Friedens“ und deren Familie verbreiteten die Jünger die Botschaft von Jesus. Sie halfen Menschen in ihren Nöten und lehrten sie. Anschließend zogen sie weiter, um auch anderen Orten von Jesus zu erzählen. So entstanden kleine Zellen. So verbreitete sich die gute Nachricht in wenigen Jahrzehnten in viele Ecken des damaligen römischen Reiches und darüber hinaus. So entstehen auch heute auf unserem Globus kleine Zellen, die die Welt verändern.