Was ist Nachfolge?
Wikipedia schreibt zum Stichwort „Nachfolge“: "Die Nachfolge Jesu bezeichnet im Urchristentum die besondere, ursprüngliche Begleitung Jesu von Nazarets auf seiner Wanderschaft, die mit der Einladung Jesu beginnt: Komm und folge mir nach! Im Christentum steht der Allgemeinbegriff Nachfolge daher für eine christliche Existenz, die sich von Jesus Christus leiten lässt und im Glauben an ihn seiner Lehre und seinem Vorbild folgt." ... "Die kirchliche Theologie machte daraus leider eine Zweiklassengesellschaft: Die Gebote der Bergpredigt, die sich eigentlich an alle Jünger und das umgebende Volk gerichtet hatten (Mt 5,1ff), galten nur noch für besonders Fromme, die sich zu lebenslanger Askese in einer abgeschiedenen Gemeinschaft, dem Kloster und Mönchsorden, entschieden. Der breiten Masse dagegen wurde das Christsein durch Taufe, Teilnahme am Gottesdienst und Sakramentsempfang erleichtert."
Aber schauen wir uns einmal detaillierter an, wer in die Nachfolge ruft und was Nachfolge heißt.
Nachfolge heißt: Bei Jesus sein
Wer ruft in die Nachfolge? Jesus und mit ihm das Neue Testament heben hervor: Alle Menschen stehen unter dem Herrschaftsanspruch Gottes. Gott hat sich durch Christus deshalb offenbart, um uns Menschen vor die Entscheidung zu stellen ihm nachzufolgen oder ihn abzulehnen.
Jesus ruft uns in die Nachfolge. Er ruft uns auf, seinem Vorbild nachzueifern und ihm ähnlicher zu werden und vor allen Dingen: in ihm zu bleiben. In Johannes 15 (Weinstock & Reben) wird deutlich, dass darin die Hauptaufgabe jedes Nachfolgers liegt.
Christus hat uns befreit von der Sünde und damit vom Tod, damit wir ein neues Leben in Freiheit führen können!
Wie erlebt ihr dieses „in Jesus bleiben“? Fühlst du dich fest mit dem Weinstock verbunden? Wie können wir in einer stabilen Verbindung mit Jesus leben? Freust du dich über deine Freiheit?
Nachfolge heißt: Einen Auftrag & eine Ausrüstung haben
Nachfolger haben einen Auftrag: Angetrieben von der Liebe zum verlorenen Menschen (Mt.4,18-22) werden Christen zu Menschenfischern. Wer Jesus nachfolgt, macht das nicht wegen der tollen Gemeinschaft, den anderen Nachfolgern oder aufgrund der gleichen Ideologie. Wer Jesus nachfolgt identifiziert sich mit ihm und hat automatisch den gleichen Auftrag, den Jesus auf unsere Erde getrieben hat: Menschen mit Jesus konfrontieren! (Mt.28,18-20)
Dabei ist die ganze Mission Gottes Werk: Er ist das Subjekt (nicht das Objekt)! Christen, Kirchen und Gemeinde ist nur Gottes Gefäß, Gottes Werkzeug um die Menschen zu erreichen. Mission geht nicht von der Kirche, sondern von Gott aus.
Dabei übergibt er uns diesen Auftrag nicht allein, sondern uns als Gemeinschaft. Wir stehen als Team gemeinsam zusammen, ergänzen und helfen uns. Und auch dabei lässt uns Jesus nicht allein. Er gibt den Auftrag und die Ausrüstung dazu (Apg.1,8). Nachfolge ist nur durch den Heiligen Geist möglich, ansonsten werden wir auf der Strecke bleiben. Wir werden durch seinen Geist getrieben und können nur durch seinen Geist tun, was er will.
Kennst du deinen persönlichen Auftrag? Denkst du, dass du gut ausgerüstet bist oder fehlt dir etwas?
Nachfolge heißt: Von Jesus lernen (Mt.5-7)
Jesus gibt uns in der Bergpredigt eine Grundlage für unser Leben. Er gibt uns ein Liebesgebot, das auch auf die Feinde ausgeweitet wird. Er gibt wenige Prinzipien anstatt viele Regeln, so z.B. die Goldene Regel (Mt.7,12; Lk.6,31;), die positiv formulierte Kurzfassung vom Willen Gottes für die zwischenmenschliche Beziehung.
WWJD: what would Jesus do? - ist nicht nur eine Modeerscheinung bei jungen Christen, sondern sollte unser Maßstab im Leben sein. Fragen, wie Jesus handeln, denken und sich einsetzen würde und seinem Beispiel folgen. Dadurch wird sich unser Blick schärfen.
Was hast du als letztes von Jesus gelernt?
Nachfolge heißt: Abbild Gottes sein
Nachfolger sind Abbilder Gottes. An ihnen wird - wie damals am Volk Israel - deutlich, wie Gott ist und wie Gott sich die Beziehung zu den Menschen vorstellt. Nicht Bilder und Figuren, sondern Menschen (allen voran Jesus Christus) zeigen, wie Gott ist.
Nachfolger zeigen durch ihr Leben, dass sie von der Macht der Sünde befreit sind und in dieser Freiheit leben. Paulus entfaltet diese Freiheit im Römerbrief. Er beschreibt
1. die Freiheit von der Sünde (Röm.6)
als Machtfaktor im Leben des Menschen. Dieser Macht kann der Mensch nur entkommen durch den Tod des alten Menschen (mit Christus gekreuzigt) und der Auferweckung zu neuem Leben durch Christus (6,1-11). Diese Tatsache wird durch die Taufe zum Ausdruck gebracht. Die Macht der Sünde ist durch Christus gebrochen! Wir können noch sündigen, aber wir müssen nicht mehr! Entscheidend ist, dass wir im Glauben an dieser Tatsache festhalten (6,11: damit rechnen) und unser ganzes Leben Jesus zur Verfügung stellen und ihm dienen (6,12-23). Beachte: Der Mensch hat nicht die Wahl, ob er jemand dienen will, sondern er hat nur die Wahl, wem er dienen will!
2. die Freiheit vom Gesetz (Röm.7)
durch Christus (7,1-6)! Und in diesem Zusammenhang beschreibt er rückblickend seine eigene Erfahrung vor seiner Bekehrung als Muster für den, der versucht, das Gesetz zu halten. Das Gesetz, das eigentlich zum Guten gedacht war, wurde von der Sünde missbraucht (7,7-13). Der Zwiespalt zwischen Wollen und Tun offenbart die Ohnmacht des Gesetzes (7,16-23). Es ermöglicht kein neues Leben, aber es treibt uns in die offenen Arme Christi! (vgl. Gal.3,25). Um Funktion und Bedeutung des Gesetzes zu verstehen, muss unbedingt als Ergänzung der Galaterbrief gelesen werden!
3. die Freiheit vom Tod (Röm.8)
Römer 8 ist einer der Berggipfel des Neuen Testaments. Paulus entwirft ein gewaltiges Panorama mit einer Aussicht, die über den Tod hinausreicht. Der Gerechtfertigte ist befreit vom Verdammungsurteil Gottes und damit vom ewigen Tod (8,1).
In Christus haben wir neues Leben empfangen. Unsere Persönlichkeit besteht aus zwei Naturen. Die alte Natur bis zur Vollendung des Heils bei der Wiederkunft Christi bestehen bleibt (8,22-24) und die neue Natur, der „Christus in uns“, die durch den Heiligen Geist gestärkt und geleitet wird (8,5-14).
Beachte: Die Kraft zum neuen Leben kommt nicht aus dem Gesetz bzw. der eigenen Anstrengung, sondern vom Heiligen Geist! In 8,18-30 malt er die zukünftige Herrlichkeit, die er in Kap 5,2 nur kurz angedeutet hat, mit wunderbaren Worten aus. Das große Finale (8,31-39) bildet die alles überwindende Liebe Gottes, die uns zum Ziel bringen wird durch Christus, der im Leben und im Sterben für uns einsteht!
Nachfolge heißt, Abbild Gottes zu sein und für andere Menschen ein Vorbild zu werden. Andere sollen unsere Freiheit sehen und selbst zu Befreiten werden.
Bist du befreit oder gibt es in deinem Bereiche in denen du dich gefesselt und gebunden fühlst? Freust du dich über deine Freiheit? Kann man in deinem Leben und deiner Gemeinde/Kirche Jesus sehen?
Nachfolge heißt: alles investieren
Selbstaufgabe
Wer Christus nachfolgt muss umkehren. Ziel ist nicht mehr die Verwirklichung der eigenen Wünsche, sondern die enge Verbindung mit dem Schöpfer. Das ganze Leben wird an einem neuen Maßstab ausgerichtet. Jesus will seine Nachfolger nicht nur moralisch besser machen, er will ihnen ein komplett neues Leben geben.
Paulus beschreibt in Philipper 3, wie er alles bewusst hinter sich lässt, um sich auf das eine Ziel zu konzentrieren: Jesus zu folgen und sich an dem ausrichten, was Gott mit uns vor hat.
Aufopferung für andere
Was Jesus uns vorgelebt hat, dass muss auch in dem Leben seiner Nachfolger Wirklichkeit werden. Nachfolge heißt ganz klar: Sich selbst aufgeben und auch für andere aufopfern.
Zitat: „Es kostet nichts ein Christ zu werden, aber es kostet alles ein Christ zu sein.“
In 1.Korinther 4 beschreibt Paulus die Folgen der Aufopferung sehr anschaulich: unscheinbar, statt ansehnlich
- leidensbereit, statt überheblich
- schwach, statt stark
- verachtet, statt verehrt
- Misshandlung, Verfolgung, Hunger, Durst, harte Arbeit, ...
Paulus ruft uns auf, seinem Vorbild zu folgen und sich aktiv unserem Nächsten zuzuwenden. Jesus verspricht uns Versorgung mit allem, was wir zum Leben brauchen. Aber Segen heißt bei Gott nicht menschlicher Reichtum, menschliches Ansehen und Macht, sondern das gleiche Schicksal, das Jesus auch hatte. Gottes Reich ist anders. Es ist kein Schlaraffenland, sondern bedeutet Leid für echte Nachfolger. Christen leiden in und an der Welt.
Wo kannst du dich aufgeben? Wo leidest du? Wo brauchst du Hilfe?
Nachfolge heißt: Gott ist auf unserer Seite!
Egal, was auf uns Christen zukommt und wir schön oder schwer unsere Nachfolge auch ist bzw. wird: Wir haben Gott auf unserer Seite. Den Schöpfer dieser Welt, der alles in seiner Hand hat und dem nichts entgleitet oder über den Kopf wächst (Römer 8,31-39). Gott stellt sich trotz seiner Größe und Unvorstellbarkeit hinter seine Geschöpfe und gibt uns Zusagen.
Die Liebe Gottes zu uns (die durch Jesus erst richtig sichtbar wird) ist die stärkste Macht und Kraft in unserem Universum. Gott setzt alles ein, damit seine Geschöpfe nicht von ihm getrennt sind.
Nachfolge ganz persönlich
Welcher Bereich spricht dich an? Wo hast du noch Schwierigkeiten? Wo brauchst du Hilfe? Wer und was kann dich dabei unterstützen? Wie können wir für unseren Nächsten da sein? Wo und wie können wir unser Leben „hingeben“?
Das Vater-unser drückt unsere Wünsche und Nöte in der Nachfolge aus und ist ein guter Begleiter.
Quellen
Route 66 - Einführung, Keck, Ewald, 2002, Christusgemeinde Nagold
Gute Lektüre
6000 Jahre und ein Buch, Wegener, Günther S., 13. Aufl. 1990 Oncken - Wuppertal
Studienbuch Altes Testament, Arbold, Bill T., 1998, Brockhaus - Wuppertal
Studienbuch Altes Testament, Elwell, Walter A., Yarbrough, Robert W., 1998, Brockhaus - Wuppertal
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