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Der neue Bund: Jesus Christus PDF Drucken E-Mail

Der Aufbau des Neuen Testaments

Die ganze Bibel ist eine Bibliothek, die aus 66 Büchern besteht – 39 Bücher im Alten Testament und 27 Bücher im Neuen Testament. Innerhalb dieser Bibliothek gibt es verschiedene Abteilungen und Literaturgattungen.

4 Evangelien, Apostelgeschichte, 21 Briefe, Offenbarung

Geschichtsberichte - Lehre - Prophetie

Die erste Gattung sind die Geschichtsbücher. Dazu zählen die vier Evangelien und die Apostelgeschichte. Von den Evangelien sollte man eigentlich nicht in der Mehrzahl sprechen, denn es gibt nur ein Evangelium, eine Frohe Botschaft von Jesus Christus, die von vier verschiedenen Schreibern überliefert wurde. Im griechischen NT wie auch in den meisten Übersetzungen steht deshalb als Überschrift z.B. „Das Evangelium nach Matthäus“ d.h. gemäß dem Bericht des Matthäus.

Der größte Teil des NT (21 Bücher) besteht aus Briefen. Die meisten Briefe stammen von Paulus (13), der Schreiber des Hebräerbriefes ist unbekannt und die restlichen 7 Briefe, die man „Katholische (d.h. allgemeine) Briefe nennt, stammen von verschiedenen Autoren: Petrus, Jakobus, Johannes, Judas.

Den Abschluss bildet das einzige prophetische Buch des NT, die Offenbarung. Sie wurde von dem Apostel Johannes geschrieben und besteht zum großen Teil aus Visionen und Bildern.

Der neue Bund - das Neue Testament

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, warum der zweite Teil der Bibel „Neues Testament“ heißt? Warum nicht „Band 2“ oder „Zweiter Teil“? Ganz einfach, weil die Bibel diesen Begriff benutzt. Sie spricht vom „Alten Testament“ und „Neuem Testament“ oder „Alten Bund“ und „Neuen Bund“. Diese zwei Bündnisse oder Testamente werden an verschiedenen Stellen einander gegenüberstellt:

  • Alter Bund und neuer Bund: Hebr.8,6-13; 9,15; 12,24
  • Ankündigung des neuen Bundes: Jer.31,31-34
  • Der neue Bund ist besser: 2.Kor.3,6-9; Hebr.8,6-7.13
  • Einsetzung des neuen Bundes: Lk.22,20; 1.Kor.11,25
  • Jesus ist der Vermittler des neuen Bundes: Hebr.9,15

Wenn wir diese Stellen lesen, fällt uns auf, dass in den aktuellen Bibelübersetzungen an allen Stellen im Neuen Testament „Bund“ steht und nicht „Testament“. Luther übersetzte ursprünglich aber grundsätzlich „Testament“.

Beide Begriffe zusammen beschreiben, um was es in der Bibel geht: Gott setzt die Bundesbedingungen allein fest wie jemand, der ein Testament verfasst und er bestimmt über die Teilhaberschaft an seiner Herrlichkeit wie über ein Erbe. Der Mensch muss die Entscheidung treffen, ob er in das Bundesverhältnis eintreten will oder nicht.

So kann man einerseits vom Testament sprechen, weil es eine einseitige Verfügung über ein Vermögen ist, das durch den Tod in Kraft tritt (vgl. Hebr 9,15-17) und andererseits vom Bund, weil das Verhältnis zwischen Lebenden geordnet wird.

Das Alte Testament die Geschichte und die Grundlage des Alten Bundes mit Mose als Vermittler (Hebr.8,5ff) und das Neue Testament enthält die Grundlagen des Neuen Bundes mit Jesus Christus als Vermittler (Lk.22,20). Bei beiden Bündnissen war das Blutvergießen, d.h. der Tod, die Voraussetzung für die Vergebung (Hebr.9,18-28). Im AT waren es Tieropfer, im NT ist es das eine völlig ausreichende Opfer Jesu Christi (Hebr.9,26-27)!

Das Alte Testament beschreibt Gottes ersten Bund. Das Volk Israel ist das erwählte Volk, an dem Gott der Menschheit zeigen will, wie sich die Beziehung zu ihm gestalten soll. Die Frage nach dem Ursprung und der Sündhaftigkeit des Menschen wird geklärt und durch das Gesetz deutlich gemacht, dass der Mensch von Natur aus Böse ist. Mit der Einsetzung der Könige und dem vielfachen Scheitern des Volkes wird deutlich, dass Gott einen anderen Weg gehen wird. Nach den 400 „stillen Jahren“ kommt es zur Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen: Gott sendet den Messias, seinen eigenen Sohn.

Jesus Christus wird Mensch, wie wir. Er lebt uns vor, wie Gott sich die Beziehung zwischen ihm und den Menschen gedacht hat. Jesus bringt uns das Evangelium - die gute Nachricht von dem Rettungsweg Gottes, er stirbt stellvertretend für uns und unsere Schuld und steht nach drei Tagen von den Toten auf. Gott stiftet einen neuen Bund durch den Sühnetod von Jesus. Und mit diesem Bund wird er das ganze Erlösungswerk zu Ende führen. Es wird keinen anderen Weg geben.

Bibelstellen zum Thema „Bund & Testament“

1.Korinther 11,25

25 Nachdem sie gegessen hatten, nahm er den Becher, dankte Gott auch dafür und sagte: »Dieser Becher ist der neue Bund, besiegelt mit meinem Blut. Wenn ihr künftig aus dem Becher trinkt, dann ruft euch jedes Mal in Erinnerung, was ich für euch getan habe!«

Hebräer 8,8-10

8 Dass dieser [alte Bund] tatsächlich unvollkommen war, macht die Schriftstelle klar, an der berichtet wird, wie Gott sein Volk tadelt: »Der Tag kommt, sagt der Herr, an dem ich mit dem Volk von Israel und mit dem Volk von Juda einen neuen Bund schließen werde. 9 Er wird anders sein als der, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen hatte, als ich sie bei der Hand nahm und aus Ägypten führte. An jenen Bund haben sie sich nicht gehalten, weshalb ich mich von ihnen abgewandt habe, sagt der Herr. 10 Der zukünftige Bund jedoch, den ich mit Israel schließen werde, wird so aussehen: Ich werde – sagt der Herr – meine Gesetze in ihr Innerstes legen und werde sie in ihre Herzen schreiben. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.

Jesus Christus - der Mensch

Gott wurde Mensch. Diese „Fleischwerdung“ bzw. Inkarnation bedeutet, dass Jesus seine göttliche Umgebung verlassen und sich in die menschliche Umgebung begeben hat.

Interessant ist, auf welche Art und Weise er in die Welt kam: Der Messias wurde als ein Herrscher erwartet - Jesus kam entgegen dieser Erwartung nicht als Herrscher mit Prunk und Macht, sondern als kleines Kind in (scheinbarer) Schwachheit und Verletzlichkeit. Gott sucht eine jungfräuliche Frau aus, die den Gottessohn auf dem „natürlichen“ Wege zur Welt bringt.

Die Erniedrigung Christi

In keiner anderen Religion wird von einer derartigen Erniedrigung (κένωσις) des Gottes gesprochen. Eine einmalige Sache, weil der Gott der Bibel einmalig ist. Keinem anderen Gott lagen die Menschen so am Herzen wie dem Gott der Israeliten. Er rettete sie aus dem Sklavenhaus Ägyptens, um sie zu seinem exklusiven Volk zu machen. Die größte Rettungsaktion gestaltete sich in der Erniedrigung seines eigenen Sohnes.

Paulus fasst die Erniedrigung in dem Brief an die Christen in Philippi sehr gut in ein paar Worten zusammen. Der Christushymnus in Phil.2,5-11 beschreibt die Erniedrigung (sowie Erhöhung) Jesu: Jesus war Gott gleich, bestand aber nicht darauf Gott gleich zu sein.

  • Er entäußerte sich.
  • Wurde wie ein Sklave.
  • Er wurde den Menschen gleich.
  • Er führte das Leben eines Menschen.
  • Er erniedrigte sich.
  • Er war gehorsam bis zum Tod am Kreuz.

Dies ist nur eine allgemeine Fassung seiner Erniedrigung. Die Evangelien zeigen uns zusammengestellt aus vielen kleinen Momentaufnahmen wie Jesus von den Menschen behandelt wurde. Er wird offen beschuldigt der Anführer der Dämonen zu sein. In seiner Heimat wird er abgelehnt. Viele Menschen, die ihm zuhören gehen wieder, weil ihnen seine Rede zu hart ist. Mehr als einmal wird er von den Pharisäern beschuldigt und verurteilt. Seit dem Anfang seiner Anwesenheit auf der Erde steht sein Leben unter Gefahr. Oft verlässt er Orte, weil er vor Verfolgungen fliehen muss. Angefangen bei Herodes bis zu der geistlichen Elite Israels. Sie alle wollen eins: Jesus tot sehen.

Jesus wurde älter und er starb ja auch tatsächlich. Er litt unter der Todesangst und er quälte sich in den Tod. Jesus starb den Tod eines Menschen, mit den Schmerzen eines Menschen. Mensch zu werden brachte Jesus nur Nachteile:

  • Er bekam Anteil an der Todesverfallenheit der menschlichen Leiblichkeit.
  • Er wurde als normaler Mensch verwechselbar mit einem normalen Menschen.
  • Er identifizierte sich mit den sündigen Menschen, ohne selbst Sünder zu sein.
  • Er wurde versuchbar wie wir und kannte alle Arten von Leiden und Anfechtungen.
  • Er unterstellte sich der Führung des Vaters und des Geistes und gab damit sein eigenständiges göttliches Handeln auf.

Oft wurde die Frage gestellt inwieweit Jesus Gott und inwieweit er Mensch war. Verschiedene Thesen wurden aufgestellt und viel diskutiert. Richtig ist, dass Jesus seit der Menschwerdung etwas anderes wurde als Gott. Und richtig ist, dass Jesus durch die Entäußerung nicht aufhörte Gott zu sein. Christus war anfällig für Sünden, sündigte aber nicht, wie es in Hebr.4,15 steht. Es bleibt ein Geheimnis, wie sich das menschliche und das göttliche Wesen in Jesus vereinigten. Fakt ist, dass Gott sich entäußerte. Gott versteckte seine Herrlichkeit in Jesus, damit die Menschen vor ihr nicht vergehen.

Jesus selbst sagt von sich, dass er ein Mensch ist und dass er der Sohn Gottes ist. Genauso sagen es die Jünger über ihn (1.Joh.5,20). Durch seine Reden und seine Taten ist das Göttliche in Jesus sichtbar. Die Geburt durch eine Frau, seine menschlichen Gefühle und sein Tod zeigen uns die menschliche Seite Jesu.

Aus welchen Gründen hat sich Jesus so erniedrigen lassen?

Oft wird die Frage gestellt, ob es denn wirklich nötig war, dass Gott seinen Sohn senden musste, um uns von dem endgültigen Tod zu befreien. Musste es denn so erniedrigend und so grausam sein? Wie oben erwähnt wurde das Kommen eines Menschen, der der Schlange (also Satan) den Kopf zertreten würde, schon recht früh vorhergesagt. Kurz nachdem der Mensch es sich mit Gott verdorben hat. Dieser Verheißung folgten viele andere - größtenteils im Buch Daniel und beim Propheten Jesaja.

Jesus kam also, um die Verheißungen Gottes zu erfüllen und somit seine Treue unter Beweis zu stellen. Jesus offenbart den Vater auf eine einzigartige Art und Weise, er fordert seine Jünger dazu auf ihn zu beobachten (Joh.14,9). Jesus erweist sich als der Wegweiser und der einzige Weg zu Gott. Er benennt sich selbst als den Weg zum Vater. Beim Vater wird Jesus seine Nachfolger erwarten.

In Mk.1,38 nennt Jesus den Grund für sein Kommen. Er ist gekommen, um zu predigen. Am meisten sprach er vom Reich Gottes. Durch Gleichnisse und Vergleiche versuchte er den Menschen das Reich Gottes zu erklären.

Jesus vergab den Menschen in der Öffentlichkeit die Sünden (Mk.2,5). Das erregte großes Aufsehen, besonders bei der geistlichen Vertretung Israels. Sünden vergeben konnte nur Gott. Sie sahen Jesu Handeln als eine Gotteslästerung. Jesus hat die Macht Sünden zu vergeben, weil er ja Gott ist. Im Passahmahl wird sehr gut deutlich, dass Jesus mit seinem Tod die Schuld vieler bezahlt. Er schließt einen neuen Bund. Im Alten Testament musste als Opfer ein Tier gebracht werden, dessen Blut wurde auf das Volk gespritzt zum Zeichen des Bundes (Ex.24,8). Jesus sagt beim Abendmahl, dass sein Blut für diesen neuen Bund vergossen wird (Lk.22,20). Um die Menschen von der Sklaverei der Sünde zu befreien, musste Jesus sterben, er hat die an ihn glauben gekauft und zu seinem Volk gemacht (Röm.6,18).

Im ersten Johannesbrief 3,8 heißt es:

„... Der Sohn Gottes ist aber erschienen um die Werke des Teufels zu zerstören.“

Ein weiterer Grund für das Kommen des Gottessohns. Die Synoptiker schreiben ganz oft von Dämonenaustreibungen. Die Dämonen erkannten Jesus und fürchteten sich vor ihm. Jesus gab seinen Jüngern Vollmacht die unreinen Geister auszutreiben (Mk. 6,7).

Trotz seiner Menschwerdung ist Jesus das vollkommene Abbild Gottes und eigentlich ist das noch zu wenig. Er ist die vollkommene Entsprechung Gottes. Jesus sagt:

9 ... »Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. 10 ... Der Vater, der in mir ist, handelt durch mich; es ist alles sein Werk. 11 Glaubt es mir, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist. ... Johannes 14,9-11

Jesus ist also unser Vorbild. Er ist der Maßstab, an dem wir unser Leben ausrichten können. Wie Jesus die Beziehung zum Vater sieht, macht er z.B. in der Bergpredigt deutlich. Mit seinem Leben auf der Erde gab Jesus eine Anleitung wie man als Christ lebt. Er gab uns mit seinem eigenen Leben eine Richtschnur, der wir nacheifern sollen:

„Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir...“ Mt. 11,29.

Jesu Verständnis von Nachfolge war so ganz anders als das Verständnis der Pharisäer, Schriftgelehrten und der Priester. Sie zogen einen Zaun um das Gesetz, sie regelten wie man das Gesetz Gottes auslebt. Jesus gab eine neue Freiheit, in der jeder Gläubige viel persönlicher seinen Glauben ausleben konnte. Jesus hat nicht nur die äußere Einhaltung von Geboten gefordert, sondern auch die innere Einstellung und Hingabe an Gott.

Jesus hat das Leben eines Menschen gelebt, mit all seinen Unannehmlichkeiten und Versuchungen. Er ist einen der grausamsten Tode gestorben.

Jesus Christus - der Gekreuzigte

Der Grund für Jesu Tod ist Sühnung für die Sünden der Menschen und Gericht.

Sünde ist nicht nur eine moralische Verfehlung (z.B. Lüge), sondern als Sünde bezeichnet die Bibel die grundsätzliche Trennung des Menschen von Gott. Diese Trennung kann der Mensch aus eigener Anstrengung nicht überwinden, auch nicht durch gute Werke.

Weil es für den Menschen unmöglich ist, die Trennung zu überwinden ist Gott selbst Mensch geworden. Jesus, der Sohn Gottes starb stellvertretend für die Sünden aller Menschen am Kreuz. Er ist unser Retter!

16 Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht. 17 Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch ihn zu retten. Johannes 3,16-17

Es gibt keine Vergebung ohne Blutvergießen. Der Tod von Jesus bedeutet also das stellvertretende Sterben des Unschuldigen an der Stelle der Schuldigen. Indem Jesus die Strafe für die Sünde - den leiblichen und den geistlichen Tod - freiwillig auf sich nimmt, obwohl er sie niemals hätte erleiden müssen, bezahlt er an unserer Stelle. Seither gilt jedoch: Wir brauchen die Schuld nicht mehr zu bezahlen, wir sind schuldenfrei und rein vor Gott. Das ist der Sinn des stellvertretenden Todes.

Der Tod Jesu hat in der Bibel einen zweiten Aspekt: den des Gerichts. Indem wir von Gott abgefallen sind, haben wir gegen Gottes Gerechtigkeit verstoßen, oder anders ausgedrückt: werden wir dem Ziel Gottes mit unserem Leben als seine Geschöpfe nicht mehr gerecht. Es bleibt ein Mangel, ein Fehlbetrag: eine Schuld. Diese Schuld besteht sozusagen juristisch, und zwar vor Gottes Richterthron.

Gott ist derjenige, der beurteilt und verurteilt. Er hat über uns ein Gerichtsurteil gefällt, das seit dem Sündenfall gültig ist, ja sogar teilweise vollstreckt wird: indem wir sterben müssen. Dabei geht es nicht um die Erbsündenlehre, wie manche Kirchen sie lehren, sondern um die persönliche Auflehnung gegen Gott. Jeder stirbt für seine Schuld, nicht für die des anderen.

„Durch einen einzigen Menschen, durch Adam, ist die Sünde in die Welt gekommen und als Folge davon der Tod. Weil nun alle Menschen gesündigt haben, sind sie alle dem Tod ausgeliefert.“ Römer 5,12

Wenn Jesus also unsere Schuld beglichen hat, dann muss dies auch Folgen für das über uns ausgerufene Gerichtsurteil haben. Und in der Tat: Jesu Tod erfüllt Gottes Gerechtigkeit. Jesus hat den Anforderungen, die Gott in seiner Gerechtigkeit an uns stellt, Genüge getan - an unserer Stelle. Weil er gerecht ist, sind wir es auch, wenn wir an ihn glauben. Wer nicht an ihn glaubt, bleibt in der Ungerechtigkeit, dem Ungenügen und daher unter dem verhängten Urteil „Wer an ihn glaubt, der wird nicht verurteilt werden. Wer aber nicht an den Sohn Gottes glaubt, über den ist wegen seines Unglaubens das Urteil schon gesprochen.“ Johannes 3,18

Der Tod von Jesus am Kreuz bedeutet also nicht nur die Sühnung unserer Schuld, nicht nur die Aufopferung des Unschuldigen, sondern auch die endgültige Vollstreckung des Urteils und damit das Ende des Gerichtsprozesses in Sachen: „Gott gegen die ganze Menschheit“.

Deshalb hat Golgatha den Charakter einer Gerichtsszenerie; es ist der Ort, wo Gott mit dem Menschen Gericht gehalten hat in Gestalt seines Sohnes. Das letzte Gericht für die Menschen wird außerhalb von Zeit und Geschichte stattfinden, und dort wird es nur zwei Urteile geben: unschuldig, weil durch den Glauben in Jesus bereits "hingerichtet" - und schuldig, weil ohne Glauben noch nicht gerichtet.

Jesus Christus - der Auferstandene

Das Wichtigste an der Menschwerdung Jesu ist, dass es nicht dabei geblieben ist. Ein Theologe hat einmal ganz treffend formuliert:

„Das, was weltlich gesehen der absolute Tiefpunkt, der Nullpunkt der Wirksamkeit Jesu ist, das ist geistlich gesehen der absolute Höhepunkt, die Vollendung der Offenbarung Gottes in der Knechtsgestalt und darin gerade der Sieg über die Todesmächte.“ Brunner

Überblick

Jesus ist nicht nur hingerichtet worden und gestorben. Er hat nicht nur versucht während seiner Wirkungszeit auf der Erde das Reich Gottes zu den Menschen zu bringen. Jesus ist auferstanden! Seine Auferweckung von den Toten verändert alles. Sie macht ihm von einem gescheiterten Propheten zu dem Sohn Gottes, der den Tod überwunden hat. Jesus baut sein Reich und lässt seine Jünger und auch uns in der Auferstehungskraft daran teilhaben.

Die Relevanz der Auferstehung

Um die Bedeutung der Auferstehung Jesu vollständig zu fassen, muss zuerst die Relevanz der Auferstehung klar werden. Ohne Auferstehung wäre Golgatha nicht Sieg sondern Niederlage. Trotzdem ist sie nicht vom Kreuz Christi zu trennen. Ohne Auferstehung wäre Jesu Tod sinnlos, es gäbe keine Vergebung der Sünden (1.Kor.15,17) und die ganze Sendung Jesu hätte keinen Sinn. Durch die Auferstehung bestätigt Gott Jesu provokative Lehre und Handeln. Jesu Identität als leidender Messias, Gottesknecht, Gottessohn, Herr und Sieger über den Tod wird endgültig offenbar. Sein Leben und Werk wird von Gott anerkannt. Die Auferstehung macht deutlich, dass Jesus erreicht, was er für die Menschen durch seinen Tod am Kreuz erzielen wollte – Sühne und Vergebung.

Die Auferstehung ist der Startpunkt der Endzeit. Sie ist die Zusicherung an die Schöpfung, dass das Böse vergehen wird und alles mit der Ehre Gottes erfüllt sein wird. Sie ist die Erfüllung vieler Verheißungen an Israel. Sie ist Grundlage für die leibliche Auferstehungshoffnung aller Gläubigen und Ungläubigen und gibt Gewissheit einmal im Himmel sein zu können. Die Auferstehung ist Grund für Mut, Kraft, Freude und Wiedergeburt aller Gläubigen. Sie ermöglicht die Wiederkunft Jesu, seine Hilfe für uns und seine Gegenwart. Außerdem bevollmächtigt sie Jesus zum zukünftigen Weltenrichter und ist Offenbarung von Gottes Allmacht, Gottes Gericht und Gottes Liebe.

An diesen Ausführungen wird deutlich, welche Auswirkungen die Auferstehung Jesu hat. Ohne sie würden die Grundlagen des christlichen Glaubens zerstört.

Die Bedeutung der Auferstehung für die Jünger

Das Leben der Jünger wurde durch die Auferstehung total verändert. Sie bekamen ein neues Verständnis von Jesus und schauten zurück auf Jesu dreijähriges Wirken wo er überraschende Taten getan hat. Er hat den Menschen die Sünden vergeben, sich vom Sabbat losgesagt, die zwölf Jünger berufen, vom Menschensohn und vom leidenden Knecht gesprochen. Inmitten einer unglaublich feindlichen Umgebung waren die Jünger unerschütterlich in ihrer Sicherheit in Bezug auf die Auferstehung. Und die darauf folgende Bekehrung und Mission des Apostels Paulus ist eine der tiefgreifendsten Verwandlungen im gesamten Neuen Testament.

Außerdem änderte sich die Sichtweise der Jünger in Bezug auf das, was Jesus in den 3 Jahren öffentlichen Wirkens getan hatte: Durch die Auferstehung sagt Gott „ja“ zu Jesu Handeln und Reden, letztlich zu Jesu Tod am Kreuz. Die Jünger erkannten Jesu Tod nicht mehr als sinnlos an, sondern als Schlüssel zu Gottes liebenden Absichten.

Die Auferstehung war die Grundlage für den Missionsbefehl an die Jünger und für den Empfang des Heiligen Geistes. Sie wurde zur zentrale Aussage ihrer Verkündigung und löste eine ungeheure Dynamik aus. Sie wurde zur Antriebsfeder – trotz vieler Verfolgungen bis in die Gemeinde hinein. Es kam zur Ausbreitung des Evangeliums über die Landesgrenzen hinaus. Die Auferstehung befähigte die Jünger zur Vollbringung mächtiger Taten (Apg.4,10) und dazu, das Volk zur Umkehr zu rufen (Apg.4,12).

Bedeutung der Auferstehung für Jesus selbst

Auf den ersten Blick war Jesu Tod das Scheitern seiner Sendung. Aber Jesu Tod war kein Zufall, sondern göttliche Absicht. Die Auferstehung ist die göttliche Bestätigung dessen, was Jesus durch seinen Tod beabsichtigte: Sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben (Mk.10,45), Vergebung der Sünden (Mt.26,28) zu erwirken und in Gethsemane den Becher des Zorns zu trinken (Mk.14,36).

Jesus war schon immer Gottes Sohn. Er selbst erhob den Anspruch, Messias zu sein. Die Auferstehung machte diesen Anspruch öffentlich und gab Jesus Recht. Sie zeigt Jesu einzigartige Identität, seine einzigartige Selbsthingabe und rechtfertigt die Sendung seines Lebens, seine Person und seine abschließende Tat.

Jesus selbst sah die Auferstehung als den Höhepunkt von Gottes Offenbarung. In der Auferstehung hat Gott seine Macht gezeigt und das Böse überwunden. Sie zeigt uns drei Merkmale von Gott: 1. seine Macht, 2. sein Gericht und 3. seine Liebe.

Die Auferstehung ist Zeichen überragender Macht. Wissenschaftlich und historisch wird sie als unmöglich dargestellt. Durch die Auferstehung wird Gottes Macht demonstriert. Gott hebt die Trennung zwischen dem „natürlichen“ und dem „übernatürlichen“ Bereich auf.

Am Kreuz wurde Gottes Gericht vollzogen, d.h. dass nun Jesus der von Gott eingesetzte Richter über die Menschheit ist.

Durch die Auferstehung ist der Kreuzestod ein Akt göttlicher Liebe. Die Auferstehung zeigt: göttliche Liebe geht tiefer als menschliche Bosheit.

Mit Jesu Auferweckung von den Toten bestätigt Gott seinen Sohn als Messias. Er nimmt den Erlösungstod an und den Fluch von den Sündern (5.Mo.21,23), so wird Jesus zum Mittler und Versühner für alle Zeiten. Gott erfüllte das, was durch die Propheten verheißen war. Gott hat sein Ziel erreicht, ohne an der Sünde zu scheitern. Sie ist der Beweis seiner Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit.

Die Bedeutung der Auferstehung für uns

Die Auferstehung verschafft uns neue Erkenntnisse darüber, wer Jesus war und was kommen wird. Sie ist die Grundlage und Begründung unseres Glaubens, unserer Rechtfertigung und Vergebung. Mit ihr wird eine neue, bleibende Beziehung der Gläubigen zu Jesus geschaffen (2.Kor.5,17; Röm.6,4; Phil.3,10). Christus lebt jetzt in uns und gibt uns Anteil an seinem Auferstehungsleben. Seine Auferstehung garantiert uns die uneingeschränkte Gültigkeit seiner Liebe.

Er vertritt uns als Fürsprecher vor dem Vater (Hebr.7,24.25). Außerdem ist Jesu leibliche Auferstehung eine Vorausschattung, eine Bestätigung unserer leiblichen Auferstehung (auch für Ungläubige). Unsere Erwartung ist nun, dass unser Körper bei Jesu zweitem Kommen erneuert wird (1.Kor.15). Die Auferstehung gibt uns Hoffnung auf eine Heimat im Himmel (Joh.14,3). Sie ist die Voraussetzung für die Sendung des Heiligen Geistes und für die Entstehung der Gemeinde.

Wir schauen der Erlösung unseres Körpers entgegen. Der Auferstandene ist der „Prototyp“ von Gottes neuer Schöpfung (Phil.3,21; 1.Thess.4,13ff) und Gottes Zusicherung, dass das Böse weggetan und alles mit Gottes Ehre erfüllt sein wird.

 

Ohne Auferstehung wäre das Leben der Christen kraft- und machtlos. Jesu Sendung auf die Erde und die Ausbreitung des Evangeliums wäre gescheitert. Umso wichtiger ist es für uns die Tatsache der Auferstehung zu verteidigen und aus der gleichen Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat, zu leben und Gottes Reich zu bauen.

Die Auferstehung zeigt den Menschen den Höhepunkt von Gottes Offenbarung und weist uns auf die Macht Gottes, das kommende Gericht und seine endlose Liebe hin.

Jesus hat sich nicht nur erniedrigt, ist nicht nur gestorben und wieder auferstanden. Er hat uns seinen Geist gegeben und uns das größte Versprechen gegeben: Ich komme wieder!

Quellen

Route 66 - Einführung, Keck, Ewald, 2002, Christusgemeinde Nagold

Gute Lektüre

6000 Jahre und ein Buch, Wegener, Günther S., 13. Aufl. 1990 Oncken - Wuppertal

Studienbuch Altes Testament, Arbold, Bill T., 1998, Brockhaus - Wuppertal

Studienbuch Altes Testament, Elwell, Walter A., Yarbrough, Robert W., 1998, Brockhaus - Wuppertal